„Beobachtungen stören nicht nur das, was gemessen wurde, sie produzieren es auch … [D]as Elektron wird zu einer Entscheidung gezwungen. Wir zwingen es dazu, eine fixe Position einzunehmen; zuvor war es im Allgemeinen weder hier noch dort; es hatte seine Entscheidung für eine bestimmte Position noch nicht getroffen … [W]ir selbst produzieren die Messung.“
– Pascual Jordan (zitiert nach M. Jammer in The Philosophy of Quantum Mechanics, Wiley, New York, 1974)
Was ist Wissenschaft?
Wissenschaft ist die Reduktion der Natur auf Zahlen, von Gefühlen auf Chemie, von Tieren auf Fleisch von Frauen auf das Andere.
Sie ist die Entfernung von Menschen aus ihrer Umwelt, des Verstands von den Sinnen, des Denkens vom Leib.
Wissenschaft ist Herrschaft, Domestizierung, Zerstückelung.
Sie enthüllt und erschafft Wahrheit.
Sie ist das exklusive Konzept von Wissen als etwas, das gemessen werden kann. Eine Aussage wie „töten ist falsch“ kann wahr sein oder nicht, aber sie ist nicht relevant. Die absurde Logik der unfehlbaren Beweisführung sagt uns, dass wenn quantitative Ergebnisse nicht zu irgendeinem Schluss führen, das Thema nicht von Belang ist.
Oder mit Heisenberg gesprochen: „Ich brauche derlei Fragen nicht zu beantworten, weil man solche Fragen nicht auf eine experimentelle Weise stellen kann.“ Was ist ein Experiment?
Die Fragen, die wir stellen sind dergestalt, dass sie quantitative, numerische Antworten erzeugen; Abstraktionen, die weit von der sinnlichen und physikalischen Realität entfernt sind. Wissenschaft ist weniger ein Mittel, als vielmehr ein Zweck.
Das was wir zählen ist nichts weiter als bloß eine weiter Sphäre des Lebens, die sich zu jenen gesellt, die bereits in Statistiken verwandelt wurden; Durch Graphen veranschaulicht werden die Prozesse der Herrschaft und Entfremdung.
In unseren Hypothesen und Methoden eingeschlossen sind die Vostellungen von Männlichkeit, Menschheit, Erfahrung, die solange aufsummiert wurden, bis sie axiomatische Form angenommen haben. Die Antworten, nach denen wir suchen, werden grundlegend von den Methoden vorgegeben, die wir dabei einsetzen.
Aber selbst unter diesem Gesichtspunkt führen die Zahlen nicht zu dem, zu dem sie führen sollen.
Die moderne Physik erzählt uns vom Unschärfeprinzip. Sie behauptet, dass es Grenzen unseres Wissens gäbe, die nicht von wissenschaftlichen Fähigkeiten oder Messinstrumenten bestimmt werden, sondern durch die Natur der Realität. Tatsächlich scheint dieser Fehlschluss der Wissenschaft eine Eigenschaft von Materie selbst zu sein.
(Was ist mit den verborgenen Quantitäten, jenen Eigenschaften, die nicht gemessen werden können? Absurderweise wenden wir uns von der Frage ab, halten uns an unsere Berechnungen, sagen mit der Autorität der Distanz, dass was nicht gemessen werden kann nicht existieren darf.)
Mit der Unschärferelation geht die Einsicht der zeitgenössischen Physik einher, dass eine Quantität zu messen unvermeidbar den gemessenen Zustand verändert. Letztlich kann das, was man herkömmlicherweise unter einer Messung versteht, nicht durchgeführt werden; Der Messende, sowie das gemessene verändern sich gegenseitig. Wieder einmal geben die Fragen, von denen wir gedacht haben, dass sie beantwortbar wären, keine Antwort, sondern werfen nur wieder Fragen auf.
Der Wissenschaftler wird zu seiner teilnehmenden, physischen Existenz von den gleichen Zahlen gezwungen, die einst zum Zwecke der Berechnung basierend auf objektiven Beobachtungen von einem außenstehenden, entfernten Beobachter geschaffen wurden. Selbst das Elektron, ein schwer ideologisches Partikel leistet seiner Kontrolle Widerstand.
Es scheint, dass sich unsere Suche nach Wissen gegen uns wendet. Selbst wenn wir uns von der materiellen Welt distanzieren, die Natur sezieren, sie in immer kleinere Bestandteile zerlegen, die das Ödland zwischen Gedankenexperiment und Existenz bevölkern, stellt sich heraus, dass sich die Natur nicht kontrollieren lässt.
Und doch behaupten wir von unseren Zahlen immer noch, dass sie real wären; realer als das Geräusch der Kiefern oder der Geruch des Sonnenaufgangs.
Wir behaupten von unserer Suche nach dem, was wir Wissen nennen, dass sie das Herausfinden der Realität wäre.
Und doch scheint das was wir tuen bloß die immer weitere Entrückung von uns selbst von dieser Realität zu sein.
Unserer Sinne beraubt, ist die einzige Welt, die uns übrig bleibt, die in Reagenzgläsern und unter dem Mikroskop. Das Überleben des Stärkeren ist, was uns heilig ist, was bewundert wird ist die Fähigkeit Muster in einer Reihe von geometrischen Symbolen zu erkennen.
Durch Vergößerungsglase und Teleskope blickend, verlieren wir die Fähigkeit, überhaupt etwas zu sehen.
Versuche doch einmal, ein Positron, ein Down-Quark oder das Beta-Partikel zu schmecken. Von der Aufklärung geblendet, der Welt von der wir behaupten, sie zu entdecken, gegenüber unverständig, kennen wir den Planeten, den wir zerstören nicht länger.
Während wir die Herrschaft über die gesamte Natur behaupten, haben wir diese schon seit langem verloren.
Entnommen aus Green Anarchy #17