Nachdem die Atomtechnik, insbesondere nach Tschernobyl, immer stärker unter Beschuß geraten ist, wird ihre herausragende Stellung mehr und mehr von der Biotechnologie eingenommen; im besonderen von der Gen- und Fortpflanzungstechnik im Zusammenspiel mit der Computertechnik.
Zusammen sind sie die große Hoffnung der sogenannten dritten technologischen Revolution des High-Tech-Zeitalters.
Im folgenden werde ich mich auf die Darstellung der Konsequenzen der Entwicklung der neuen Fortpflanzungstechniken beschränken. Wir müssen uns aber immer wieder vergegenwärtigen, daß diese Technologien in der Praxis nie nur nebeneinander existieren; sie sind in vielerlei Hinsicht miteinander verknüpft. Dies gilt im besonderen für die Kombination von Gen- und Fortpflanzungstechnik. In genau dieser Verflechtung kommt ihr zerstörerisches Potential zum Vorschein.
Die Auseinandersetzungen um diese Technologien folgen in der Regel dem uralten Prinzip des ‚Teile und Herrsche‘: Grundlagenforschung wird abgespalten von der angewandten Forschung; die Gentechnik wird von der Fortpflanzungstechnik abgespalten. Die Fortpflanzungstechnik wird ihrerseits wiederum zweimal gespalten hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit:
- eine für die Industrieländer und
- eine für die unterentwickelten Länder.
Diese Trennung von Forschungsgebieten und -kontexten, die jedoch ihrer Natur nach zusammenhängen, erschwert eine kritische Bewertung dieser technologischen Entwicklungen erheblich.
Auf den folgenden Seiten werde ich jedoch genau das entgegengesetzte methodische Prinzip verfolgen. Ich werde die Zusammenhänge und Berührungspunkte dieser Technologien, ihrer Forschung und Anwendung, aufzeigen. Nur durch eine solch umfassende Betrachtung ist es möglich zu sagen, ob diese Entwicklungen die Menschen glücklicher machen werden. Ich werde mit einigen grundlegenden Thesen beginnen:
(1) Diese Technologien wurden und werden nicht entwickelt und betrieben, um das Glück der Menschen zu fördern; vielmehr sollen sie die Schwierigkeiten des Weltwirtschaftssystems überwinden helfen, das Modell des unbegrenzten Wachstums aufrechterhalten, den auf wachsendem Warenkonsum beruhenden Lebensstil und die weitere Akkumulation des Kapitals sichern. Es müssen neue Investitions“territorien“ erschlossen, neue Märkte für die von Wissenschaftlern und Industrie angebotenen neuen Waren erobert werden. In dieser Situation, in der andere Investitionsgebiete nicht länger Erfolg versprechen, wird eine wesentliche Funktion des weiblichen Körpers, menschliches Leben zu schaffen, nun als neues „Investitionsterritorium“ entdeckt; eine neue Profitmöglichkeit für Wissenschaftler, Mediziningenieure und Unternehmer (Mies 1985). Die Fortpflanzungstechniken wurden entwickelt, nicht weil Frauen sie brauchen, sondern weil Wissenschaft und Wirtschaft die Frauen für das Weiterbestehen ihres Modells von Wachstum und Fortschritt brauchen.
(2) Diese Technologien werden in Geschlechterverhältnisse eingeführt, in denen die Situation der Frauen überall auf der Welt durch Ausbeutung und Unterdrückung bestimmt ist. Es ist eine historische Tatsache, daß technologische Innovationen innerhalb von ausbeuterischen und ungleichen Beziehungen zu einer Intensivierung und nicht zu einer Abschwächung oder Aufhebung von Ungleichheit und Ausbeutung der von den Neuerungen betroffenen Personen führen.
(3) Diese Technologien werden von ihren Betreibern mit Hilfe humanitärer Argumente gerechtfertigt. Sie geben vor,
- unfruchtbaren Paaren zu einem eigenen Baby verhelfen zu wollen;
- Frauen davor bewahren zu wollen, behinderte Kinder zu gebären;
- die Risiken von Schwangerschaft und Geburt zu vermindern, usw.
Sie gehen nach dem methodischen Prinzip vor, die Notlage und das Unglück eines einzelnen Individuums ins Rampenlicht zu rücken und appellieren dann an die Solidarität aller anderen, diesem einzelnen Menschen zu helfen. Dabei benutzen sie alle möglichen Arten der psychologischen Erpressung. Die individuellen Fälle werden lediglich benutzt, um diese Technologien einzuführen und die nötige Akzeptanz bei allen Menschen zu schaffen. Das Ziel ist die Kontrolle der Gebärfähigkeit aller Frauen. Dabei wird die Frau als Person mit menschlicher Würde ignoriert.
(4) Es wird oft behauptet, diese Techniken seien an sich weder gut noch böser; dies würde lediglich durch ihre Anwendung bestimmt.
Dieses Argument basiert auf der weit verbreiteten Auffassung, daß Wissenschaft und Technik wertneutral seien und nichts mit den sozialen Verhältnissen zu tun hätten.
Eine eingehendere Analyse durch Feministinnen in den letzten Jahren hat jedoch gezeigt, daß die herrschenden sozialen Verhältnisse grundsätzlich Teil jeder Technologie sind. Wir können nicht länger sagen, daß Fortpflanzungstechnik und Gentechnik als solche gut sind, daß nur ihre Anwendung problematisch sei. Wir müssen sowohl die dieser Technologie zugrundeliegenden Prinzipien als auch ihre Methodologie kritisieren (vgl. Mies 1988). Beide beruhen auf der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, der Frauen und anderer Völker (d.h. Kolonien) (vgl. Merchant 1987). In diesem Sinne können wir von einer, den neuen Fortpflanzungstechnologien inhärenten, sexistischen, rassistischen und letztlich faschistischen Tendenz sprechen. Im folgenden werde ich diese These erläutern.
Selektion und Elimination – Grundprinzipien von Sexismus, Rassismus und Kolonialismus: Historische Kontinuitäten
Fortpflanzungstechnik und Gentechnik beruhen auf den gleichen Prinzipien wie Physik und andere Naturwissenschaften. Ihre Methode ist die gewaltsame Spaltung von lebenden Organismen in immer kleinere Partikel: Moleküle, Zellen, Zellkerne, Gene, DNA und ihre verschiedensten Rekombinationen nach dem Plan des (männlichen) Ingenieurs. Bei diesem Prozeß ist die Selektion von erwünschten Elementen und die Elimination von unerwünschten Elementen das Entscheidende. In der Tat, Fortpflanzungs- und Gentechnik würden ohne diese Prinzipien der Selektion und Elimination keinen Sinn ergeben. Warum sollte sich jemand für Genetik interessieren, wenn er nicht den Wunsch hätte, die schnellere Entwicklung des Typus voranzutreiben, den man als wertvoller als andere ansieht? Das stimmt sowohl für die Humangenetik als auch für die Tier- und Pflanzengenetik. Es ist gleichermaßen wahr für die Fortpflanzungstechnik, die auf der Selektion fruchtbarer Elemente (Spermien, Eier) und ihrer Kombination außerhalb des weiblichen Körpers beruht. Selektion und Elimination wären nicht möglich, wenn die lebenden Organismen intakt und in Freiheit gelassen würden, um ihre Fortpflanzung in Einklang mit ihren eigenen Wünschen, ihrer Liebe und Lust zu regulieren.
Carolyn Merchant zeigt die Parallele auf zwischen der gewaltsamen Zerstückelung und Invasion der Natur und den Folterungen von Frauen während der Hexenverfolgung. Sie zeigt, daß beide Gewalttypen Wesensmerkmale der modernen Wissenschaft und Technologie sind (Merchant 1987). Francis Bacon, der Begründer der modernen naturwissenschaftlichen Methode, betrachtete die Natur als eine Hexe oder Hure, deren Geheimnisse man ihr mit Gewalt entreißen müsse. Er schrieb:
Denn wie man das Genie eines Mannes nicht wohl kennt oder schäzet, wenn man ihm keinen Reiz sich zu zeigen giebt; oder wie Proteus keine verschiedenen Gestalten annahm wenn man ihn nicht in Feßeln festhielt; eben so zeigt sich die durch die Kunst mechanischer Hilfsmittel gereizte und gefangene Natur offenbarer, als wenn sie sich frey überlaßen bleibt.“ (vgl. Merchant 1987, S. 169)
Gewalt und Aggression bilden die unsichtbare Grundlage der modernen Naturwissenschaft. Daher stammt die Gewalt gegen Frauen während der Hexenverfolgung und die Gewalt gegen die Natur, die als Frau gesehen wurde.
Dieser ganze Prozeß der Entwicklung der „mechanischen“ und der modernen Naturwissenschaft wären trotzdem nicht ohne die gleichzeitige Anwendung der gleichen Prinzipien von Unterdrückung und Ausbeutung gegenüber den Kolonien und ihren Bewohnern möglich gewesen. Die Menschen in Amerika, Asien und Afrika wurden, genau wie die Frauen und die Natur in Europa, wie „wilde Natur“ behandelt. Ohne den geraubten Reichtum aus den Kolonien hätten sich weder Kapitalismus noch die moderne europäische Wissenschaft zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert durchsetzen können.
Es ist bekannt, daß zu Beginn des 15. Jahrhunderts Europa nicht mehr, sondern weniger entwickelt war als China oder Indien. Die moderne europäische Wissenschaft schuldet China, Indien und Arabien sehr viel; sei es im medizinischen Bereich, in der Mathematik, der Chemie oder in der Biologie. In Indien wurde die pastische Chirurgie lange angewandt, bevor sie in Europa „entdeckt“ wurde. Die Pockenimpfung war in Indien bekannt und wurde lange vor der Einführung durch moderne weiße Medizinmänner durchgeführt (Alvares 1979). Ebenso waren die Technologien in der Landwirtschaft, der Eisenverarbeitung und der Textilproduktion denjenigen, die man in Europa um 1500 anwandte, weit voraus (ebd.). Nicht nur die technologische Praxis, sondern auch die Theorien über die Natur waren in China und Indien weiter entwickelt. Josef Needham hat das hohe Niveau des alten chinesischen wissenschaftlichen Denkens ausführlich beschrieben. Über Indien schreibt er:
Die indische Kultur ragt wegen ihres systematischen Denkens über die Natur hervor … Wenn Vergleiche angestellt würden, würde sich m.M. nach sehr schnell zeigen, daß die indische Wissenschaftsgeschichte genauso viele brilliante Überraschungen bereit hält, wie die, die sich anhand der neueren Forschungen über China zeigten. Dies trifft für die Mathematik, die Chemie oder die Biologie und vor allen Dingen für die diesen Bereichen zugrundeliegenden Theorien zu.“ (vgl. Alvares 1979, S. 69-70)
Dies sollte eigentlich klarstellen, daß nicht, wie immer behauptet wird, die europäische ‚Geisteskraft‘ der asiatischen überlegen war. Es muß etwas anderes sein, das Europa zu Beginn der Entwicklung der modernen Naturwissenschaft einen Vorsprung vor den anderen Zivilisationen verschaffte. Dieses ‚Etwas‘ war die Nutzung der menschlichen (männlichen) ‚Geisteskraft‘ für die Künste der Zerstörung und des Krieges. Moderne Mechanik und Physik hätten eine andere Richtung genommen, wären sie nicht von Anfang an eng mit Militarismus und der Entwicklung von Waffen verbunden gewesen.
Das ist das Geheimnis des europäischen homo faber, des europäischen Modells von Zivilisation und Fortschritt. Europäische Wissenschaftler waren seit dem 15. Jahrhundert „Väter der Vernichtung“ (Easlea 1986). Um die Entwicklung dieser Künste der Zerstörung zu rechtfertigen, mußten Frauen, die Natur und die Kolonien vorher ihrer ‚menschlichen‘ Qualität, ihrer Seele beraubt werden. Sie wurden zu seelenloser Materie, zu Rohmaterial degradiert.
Ziel dieser Prozesse der Unterwerfung der Natur, der Frauen und der Kolonien und ihre Behandlung als seelenlose und passive Materie, die im Interesse einiger männlicher Mitglieder der menschlichen Spezies auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt werden können, war und ist die Optimierung der menschlichen Arbeit für die Produktion von materiellen Gütern. Dieses Ziel definiert, was wertvoll ist und was nicht, was selektiert werden soll und was eliminiert werden soll. In diesem Sinne werden weiße Menschen als wertvoller erachtet als braune, gelbe und schwarze Menschen; Männer werden für wertvoller erachtet als Frauen; Besitzer von Produktionsmitteln werden für wertvoller erachtet, als die Menschen, die damit arbeiten. Alles was als weniger wertvoll angesehen wurde, definierte man als ‚menschlich‘. Der ‚Mensch‘ schlechthin ist der weiße Mann, er hat das Recht über die ganze ‚Natur‘ zu herrschen und seine eigene Schöpfung voranzutreiben – die ‚Kultur‘.
Rassismus, Sexismus und die Aufklärung
Rassismus und damit verbunden Sexismus und Faschismus sind keine ahistorischen universellen Erscheinungen, sie sind aber auch nicht nur Entwicklungen der jüngsten Geschichte. Sie sind eng verbunden mit der kolonialen Expansion Europas und dem Aufkommen der modernen Naturwissenschaft. Die Unterscheidung zwischen weißen Menschen als ‚menschlich‘ und schwarzen und braunen Menschen als näher zur ‚Natur‘ stehend, sowie parallel dazu die Wertunterscheidung zwischen Männern und Frauen, fand ihre deutlichste Ausformung in der Zeit der Aufklärung, im 18. und 19. Jahrhundert, nicht im ‚dunklen‘ Mittelalter. Viele Philosophen, Wissenschaftler und Politiker haben zur Ideologie des Rassismus und Sexismus beigetragen. Der gefeierte deutsche Philosoph Hegel schrieb um 1830 über die Schwarzen:
„Der Neger stellt, wie schon gesagt worden ist, den natürlichen Menschen in seiner ganzen Wildheit und Unbändigkeit dar; von aller Ehrfurcht und Sittlichkeit, von dem, was Gefühl heißt, muß man abstrahieren, wenn man ihn richtig auffassen will: es ist nichts an das Menschliche anklingende in diesem Charakter zu finden. Die weitläufigen Berichte der Missionare bestätigen dies vollkommen. Die Neger besitzen daher diese vollkommene Verachtung der Menschen.“ (Hegel 1970, S. 122, Hervorhebung im Original)
Hegel führt dann aus, daß der Schwarze aus Mangel an menschlichen Werten dazu bestimmt sei, in der Sklaverei zu enden, denn nach Hegel besteht die Grundlage der Sklaverei darin, daß der Mensch noch kein Bewußtsein seiner Freiheit hat:
„Etwas ganz Charakteristisches in der Betrachtung der Neger ist die Sklaverei. Die Neger werden von den Europäern in die Sklaverei geführt und nach Amerika verkauft. Trotzdem ist ihr Los im eigenen Lande fast noch schlimmer, wo ebenso absolute Sklaverei vorhanden ist; denn es ist die Grundlage der Sklaverei überhaupt, daß der Mensch das Bewußtsein seiner Freiheit noch nicht hat und somit zu einer Sache, zu einem Wertlosen herabsinkt. Bei den Negern sind aber die sittlichen Bindungen vollkommen schwach oder, besser gesagt, gar nicht vorhanden. Die Eltern verkaufen ihre Kinder und umgekehrt ebenso diese jene, je nachdem man einander habhaft werden kann.“ (ebd.)
Für Hegel lebt der Schwarze außerhalb der Geschichte und ist zur Entwicklung nicht fähig. Er schreibt:
„Aus allen diesen verschiedenen Zügen geht hervor, daß es die Unbändigkeit ist, welche den Charakter der Neger bezeichnet. Dieser Zustand ist keiner Entwicklung und Bildung fähig, und wie wir sie heute sehen, so sind sie immer gewesen. Der einzige Zusammenhang, den die Neger mit den Europäern gehabt haben und noch haben, ist der der Sklaverei. In dieser sehen die Neger nichts ihnen Unangemessenes, und gerade die Engländer, welche das meiste zur Abschaffung des Sklavenhandels und der Sklaverei getan haben, werden von ihnen selbst als Feinde behandelt. Denn es ist ein Hauptmoment für die Könige, ihre gefangenen Feinde oder auch ihre eigenen Untertanen zu verkaufen, und die Sklaverei hat insofern mehr Menschliches unter den Negern geweckt.“ (ebd.)
Die Unterscheidung zwischen „Kulturvölkern“ und „Eingeborenen“ oder „Naturvölkern“ zog sich wie ein roter Faden durch den Diskurs über die Kolonien im 19. Jahrhundert. Doch diese Unterscheidung wurde nicht von dem arabischen Reisenden Ibn Battuta gemacht, der im Jahre 1352-1353 durch Afrika reiste und die Schwarzen in folgenden Worten beschrieb:
„Die Neger besitzen einige bewundernswerte Eigenschaften. Sie sind selten ungerecht, denn sie verabscheuen Ungerechtigkeit mehr als irgendein anderes Volk. Wer sich ihrer im geringsten schuldig macht, findet niemals Gnade bei ihrem Sultan. In ihrem Land herrscht völlige Sicherheit. Weder Reisende noch Einwohner haben dort irgendetwas von Dieben oder Gewalttätern zu fürchten. Sie beschlagnahmen nicht das Eigentum irgendeines Weißen, der in ihrem Lande stirbt, selbst wenn er unzählbar reich ist.“ (zit. in Borries 1986, S. 83)
1352 rechnete Ibn Battuta die Schwarzen, deren hohe moralische Qualitäten er bewunderte und respektierte, noch zu seinen Mitmenschen. Fünf Jahrhunderte später betrachtete der große deutsche Philosoph Hegel die „Neger“ als Teil der degradierten, wilden ‚Natur‘. Dies ist das Kernstück des modernen Rassismus, der sich mit dem Aufstieg des Kapitalismus und der Naturwissenschaft entwickelte. Die ‚Humanisierung‘ einiger Kategorien von Menschen, nämlich der europäischen Männer, ihr Einzug in das Reich der Vernunft, der Geschichte und der Freiheit basiert dialektisch auf der ‚Naturalisierung‘ von anderen Kategorien von Menschen, nämlich von braunen und schwarzen Rassen und von Frauen, die jetzt als ‚wild‘ definiert werden und mit Zuschreibungen wie „nur biologisch“, „Mangel an Vernunft, Ethik und Geschichte“ belegt werden, deren Existenz sich in endlosen Kreisläufen der biologischen Reproduktion erschöpft. Es ist nicht weiter verwunderlich, daß nach Hegel, Frauen auch zu diesem ‚prähistorischen Reich‘ gehören, wie die ‚Wilden‘. Sie sind eingebunden in die Institution der Familie, die für Hegel das „Reich des Todes“, das Reich der unbewußten generativen Prozesse darstellt. Einen Unterschied gibt es dennoch. Der Schwarze kann nie ein Ethos, eine Moral haben; die weiße Europäerin jedoch kann in das Reich der Moral gelangen, indem sie Mutter wird und für ihre Kinder sorgt. In ihrer Kritik an Hegels Auffassung der Dialektik der Reproduktion schreibt Mary O’Brien:
„Weibliche Moral, genau wie die Frauen selbst, bleibt partikular und bezieht sich nur auf die Individuen in der Familie; sie bleibt konzentriert auf das biologische Leben.“ (O’Brien 1983, S. 26)
Nach der dualistischen und patriarchalischen Logik emanzipierte sich der (weiße) Mann im Prozeß der ‚Humanisierung‘ und ‚Zivilisation‘ vom Reich der Natur (d.i. vom ‚Reich der Notwendigkeit‘), von der Frau und von der Wildheit. Diese Auffassung wurde von vielen Denkern, unter ihnen viele Sozialisten, im 19. Jahrhundert geteilt. Auch die Emanzipation und ‚Humanisierung‘ der Arbeiterklasse sollte durch die unbegrenzte Entwicklung der Produktivkräfte herbeigeführt werden; dies impliziert jedoch die Herrschaft des Menschen (des Mannes) über die Natur. Ausgehend von dieser Theorie akzeptierte die europäische Arbeiterbewegung die Unterscheidung der arbeitenden Völker der Welt in solche aus den ‚zivilisierten Nationen‘ und solche aus ‚primitiven‘ oder ‚eingeborenen‘ Völkern.
Genau dies ist der Grund, warum die Sozialdemokraten des imperialistischen Deutschlands ebensowenig wie ihre britischen Kollegen gegen den Kolonialismus kämpften. Bernstein z.B., einer der Führer der SPD schrieb 1896:
„Wir werden bestimmte Methoden der Unterwerfung von Wilden verurteilen und bekämpfen, aber nicht, daß man Wilde unterwirft und ihnen gegenüber das Recht der höheren Kultur geltend macht.“ (Mamozai 1983, S. 212)
Noch nach dem 1. Weltkrieg insistierten die deutschen Sozialdemokraten auf dem Recht Deutschlands als einer Kulturnation, die Gebiete der „barbarischen Völker“ als Kolonien zu besitzen und auszubeuten (Mandelbaum 1974).
Das Kernstück dieser Argumente ist die richtige Einsicht, daß die proletarischen Massen der Industrienationen nicht zu einer Erhöhung ihres Lebensstandards oder einem höheren kulturellen Niveau gelangen würden, wenn die Industrienationen die Gebiete der ‚Naturvölker‘ auf der Suche nach Rohmaterial, billiger Arbeitskraft und vielversprechenden neuen Absatzmärkten nicht ausbeuten dürften.
Eugenik
Während die sexistische und rassistische Ideologie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch im Gewande eines idealistischen philosophischen Diskurses über den Dualismus von ‚Natur‘ und ‚Kultur‘ auftrat, so lieferte die zweite Hälfte des Jahrhunderts dazu die materialistische und ‚wissenschaftliche‘ Grundlage. In diesem Prozeß spielte Darwins Evolutionstheorie eine entscheidende Rolle; besonders in der Form des von Spencer entwickelten Sozialdarwinismus. Für den Sozialdarwinismus war das „survival of the fittest“ der Auswahlmechanismus, durch den sich ‚überlegene‘ Gesellschaften von den unterlegenen abspalteten. Die technologische „Rückständigkeit“ der Menschen in den Kolonien wurde nun gleichgesetzt mit einer niedrigen Stufe im Prozeß der evolutionären Entwicklung. Auf deren Gipfel befanden sich die Angelsachsen oder allgemeiner die nordische Rasse.
Aus solchen Ideen entstand die Eugenische Bewegung, die von Francis Galton initiiert wurde. Galton war nicht nur an der genetischen Qualität von Menschen interessiert; er war auch ein Förderer der statistischen Methode in der Sozialforschung. Er führte ein Gradierungssystem zur Messung der genetischen Qualität von Menschen ein. Indem er die statistischen Methoden auf die Eugenik anwadte, gab er seinen Theorien eine „wissenschaftliche Legitimation“, denn mathematische Verfahren und Statistiken galten als Beweis für wissenschaftliche Objektivität. Bezüglich ihrer Intelligenz stufte Galton Schwarze zwei Grade niedriger ein als Weiße.
Die Eugenik-Bewegung hatte großen Einfluß auf die Sozialwissenschaften, auf die Psychologie mit ihren Intelligenztests, auf den Behaviourismus und auf die Politik. Die Bewegung war in England und in den USA besonders stark zu Beginn des 20. Jahrhunderts, besonders nachdem die Vererbungsgesetze, die Gregor Mendel schon 1865 entdeckt hatte, im Jahre 1901 posthum veröfentlicht wurden. Der größte Förderer der Eugenik-Bewegung in den USA, Charles B. Davenport, überzeugte die mächtige Carnegie-Stiftung, sowie andere reiche Familien der USA, die Eugenik-Bewegung zu unterstützen. 1904 wurde das Laboratorium für Experimentelle Evolution in Cold Spring Harbour gegründet. Nur wenig später, im Jahre 1907, folgte die Gründung des „Eugenics Record Office“. Das Ziel dieser Institutionen und der Eugeniker, die dort arbeiteten, war die Inventarisierung aller rassischen Merkmale von Menschen und die Förderung der Fortpflanzung von höheren und die Reduktion der Fortpflanzung der niedrigeren Rassen. Im herrschenden geistigen Klima der USA vor und nach dem 1. Weltkrieg bedeutete eine positive Eugenik die schnellere Fortpflanzung der weißen Angelsachsen oder zumindest der nordischen Rasse; negative Eugenik bedeutete eine Einschränkung der Fortpflanzung der ’niederen‘ Rassen. Damit waren vor allem Schwarze und Immigranten aus Polen und Südosteuropa gemeint. Diese offensichtlich rassistischen Ideen wurden von einem Heer von Wissenschaftlern unterstützt, die dann auch sehr bald politische Maßnahmen forderten.
Für die Eugeniker waren eine ganze Reihe menschlicher Züge erblich bedingt; so z.B. die Intelligenz, Sauberkeit, Alkoholismus, Sozialverhalten, Armut, usw. Sie verlangten, daß der Staat Maßnahmen ergreifen soll, ähnlich wie ein guter Viehzüchter, der die für die Zucht geeigneten Tiere selektiert und die anderen eliminiert. „Es gibt Feigen und Disteln, Trauben und Dornen, Weizen und Wicken unter den Menschen; der Staat muß Familienkultur betreiben“, schrieb Whitney im Jahre 1934 (vgl. Corea 1986).
Die Anhänger der Eugenik-Bewegung fand man sowohl unter ultra Rechten als auch unter Sozialisten, wie z.B. den „Fabians“. Sogar Feministinnen wie Margaret Sanger, Stella Browne und Eleanore Rathborne unterstützten Geburtenkontrolle unter eugenischen Gesichtspunkten. Margaret Sanger schrieb: „Mehr Kinder von den Geeigneten (‚fit‘), weniger von Ungeeigneten (‚unfit‘), das ist das oberste Ziel der Geburtenkontrolle“ (vgl. Mass 1976).
Es war nicht verwunderlich, daß die Eugeniker Hitler Beifall zollten, als er 1933 ein Sterilisationsgesetz durchbrachte, bekannt als Gesetz für die Verhinderung von erbkrankem Nachwuchs. Die britische „Eugenics Review“ pries Hitlers Deutschland als ein gewaltiges Laboratorium, das Ort eines „gigantischen eugenischen Experiments“ sei. Die Zeitschrift schrieb: „Es wäre falsch und auch unwissenschaftlich, alles zu verdammen, was in diesem Land passiert. […] In Deutschland wird die fortgeschrittenste eugenische Gesetzgebung ohne Schwierigkeiten durchgesetzt“ (zit. in Mass 1976, S. 21). Whitney pries Hitlers Eugenik-Politik folgendermaßen:
„Obwohl wahrscheinlich nicht alle von uns den Zwangscharakter dieses Gesetzes billigen – da es z.B. auch zur Sterilisation von Alkoholikern angewendet wird – können wir nicht anders als die Voraussicht zu bewundern, die diesem Plan als Ganzes zugrundeliegt. Wir müssen realisieren, daß Deutschland sich durch diese Maßnahme selbst zu einer stärkeren Nation machen wird.“ (zit. in Corea 1986, S. 21)
Die Greueltaten, die die Nazis den Menschen, die sie als die „ungeeigneteren“ betrachteten, im besonderen den Juden, jedoch auch den Zigeunern und Behinderten, antaten, brachten die Eugenik-Bewegung nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches in Verruf. Viele Helfershelfer dieser Bewegung gingen dann jedoch nach dem 2. Weltkrieg zum neuen Bereich der Bevölkerungskontrolle über. Jetzt wenden sie das eugenische Prinzip der Selektion und Elimination auf die Weltbevölkerung als Ganze an. Die Weißen in Europa und in den USA werden zur vermehrten Fortpflanzung angehalten und die Schwarzen und Braunen in der unterentwickelten Welt werden mit allen Mitteln unter Druck gesetzt – wenn nötig mittels Zwangssterilisationskampagnen – ihre Bevölkerungszahlen zu dezimieren. Professor Hans Harmsen, dessen Name mit der Zwangssterilisation von Behinderten in Nazi-Deutschland in Verbindung gebracht wurde, schloß sich dem Bevölkerungskontrollestablishment nach dem Krieg an und gründete den deutschen Zweig der „International Planned Parenthood Federation (IPPF)“ und nannte sie „Pro Familia“. Er war lange Präsident dieser Organisation; gleichzeitig spielte er eine wichtige Rolle in der Entwicklung und Ausformung der Bevölkerungskontrollpolitik für die 3. Welt (Kaupen-Haas 1984).
Es war einfach, den Völkermord im Hitler-Deutschland als ‚faschistisch‘ anzuprangern, aber nur wenige Menschen erkennen den Genozid, der unter dem Banner der Eugenik auftritt; und noch weniger sind sie bereit, diese faschistisch zu nennen. Aber nichts desto trotz gibt es eine historische Kontinuität von der Eugenik-Bewegung über Nazi-Deutschland zu den neuen Fortpflanzungstechniken: zur vorgeburtlichen Diagnostik, Gentechnik, In-Vitro-Fertilisation usw. Die Betreiber und Benutzer dieser Technologien verschließen die Augen vor diesem historischen Erbe.
Sozio-Biologie
Die Verbindung zwischen der alten Eugenik-Bewegung und der neuen Gen- und Fortpflanzungstechnik stellt die Sozio-Biologie dar. Ihr herausragendster Wortführer ist Edward Wilson, ein Harvard Biologe. Er versucht, Biologie mit Anthropologie und Behaviourismus zu kombinieren, um zu beweisen, daß menschliche Charakteristika wie z.B. die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, die Kleinfamilie, Aggression und soziale Ungleichheit erblich seien, da sie ihren Ursprung in der genetischen Infrastruktur unserer Primatenvorfahren hätten. Während die Eugenik-Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts auf die neu erwachte Arbeiterbewegung und die anti-kolonialen Bewegungen abzielte, rechtfertigt die Sozio-Biologie die modernen Kriege mit dem Argument, sie häten ihre Wurzel in der „aggressiveren genetischen Struktur des Mannes“. Die Sozio-Biologie richtet sich auch gegen die neue Frauenbewegung, die die Männerherrschaft beenden will. Wilson projiziert die amerikanische Kleinfamilie in die Höhle der Steinzeit, in der, wie Barbara Chasin feststellt, „der Mann die aktive, aggressive Person war, die auch für den Lebensunterhalt sorgte, während die kleine Frau die Höhle säuberte, das Mastodon kochte und die Kleinen großzog“ (Chasin 1980, S. 35).
Die Sozio-Biologie kam in den USA auf, als die Regierung und die herrschenden Klassen nicht mehr länger bereit waren, die Wohlfahrtsprogramme und andere Verbesserungsmaßnahmen zugunsten der benachteiligten Bevölkerung zu unterstützen. Soziale Ungleichheit wurde daher wieder als biologische Konstante, als genetisch bedingt, erklärt. Wilson und andere Sozio-Biologen gingen sogar so weit, sozial und historisch geschaffene Institutionen und Bräuche als genetisch vererbte Züge zu bezeichnen (u.a. ethische Regeln, Weltanschauungen, Arbeitsteilung, Heiratsregeln, religiöse Überzeugungen, etc.). Geschlechtliche Ungleichheit wurde selbstverständlich als biologisch determiniert bezeichnet (Wilson 1978).
Die Amoralität der Bio-Technologie
Die moderne biologische Forschung, insbesondere die der Genmanipulation und die Fortpflanzungstechnik, hat zu einer neuen Hinterfragung der ethischen Grundlagen dieser Technologien geführt. Jedoch können diese ethischen Fragen nicht von dem von mir beschriebenen Hintergrund getrennt werden; von eben jenem Begriff des Menschen und der Natur, der zugrundelegt, daß die Moral, die Freiheit und die Subjektivität des Menschen auf seiner Emanzipation von der Natur beruhen. Der Mensch wird verstanden, nicht als Teil der Natur, sondern als ihr Herr und Gebieter. Diese Herrschaft wird mit der menschlichen Rationalität und dem menschlichen Verstand legitimiert. Genau aus diesem Grund wird der ‚Kopf‘ für wichtiger gehalten als die ‚unteren‘ Teile des Körpers. Der Mann wird für wichtiger gehalten als die Frau, Kultur für wichtiger als die Natur.
Die moderne Biotechnologie bricht nicht mit dieser Auffassung; sie entwickelt sie sogar noch weiter. Während vormals die Kontrolle des ‚Kopfes‘ über den Körper die Kontrolle über eine ganze Person implizierte, eliminiert die Biotechnologie die menschliche Person als ganze. Für die Biotechnologen sind Menschen lediglich eine Masse organischer Materie, DNA, „Organe ohne Körper“ (Braidotti), Rohmaterial, das auseinandergenommen und zu neuen Bio-Maschinen zusammengesetzt werden kann. Moral hat keinen Platz in ihren Laboratorien. Dieses Fehlen von Moral gehört jedoch zum innersten Wesen der modernen Wissenschaft. Wissenschaft soll wertfrei sein; sie soll lediglich durch die ‚reine‘ Suche nach der Wahrheit und nicht durch „Werte“ oder Ehrgeiz motiviert sein. Nach diesem Wissenschaftsbegriff stellt sich die Frage der Ethik erst außerhalb der Laboratorien. Sie taucht erst dann auf, wenn es um die Frage geht, ob die Erfindungen der Biotechnologen im großen Stil angewandt werden sollen. Erst nachdem die Wissenschaftler genügend Zeit und Geld hatten zu experimentieren und ihre Resultate öffentlich zu machen, werden Ethikkommissionen eingesetzt. Das Hauptziel der Ethikkommissionen ist daher auch nicht die kritische Untersuchung der Wissenschaften und ihrer Grundlagen, sondern die Förderung der Akzeptanz für diese Technologien.
Da die ‚Ethikexperten‘ in der Regel das herrschende Wissenschaftsparadigma und dessen Postulat der Wertfreiheit akzeptieren, haben sie keine Bewertungskriterien, um zu entscheiden, was für die Menschheit nützlich ist und was nicht. Da sie es nie wagten, ihre ethischen Überlegungen vor oder während des Forschungsprozesses anzustellen, können sie den wissenschaftlichen Prozeß nicht mehr als Teil eines alles umfassenden Lebensprozesses betrachten. Wissenschaft wird nicht länger als Teil des menschlichen und natürlichen Universums gesehen, sie schwebt darüber. Am deutlichsten manifestiert sich der Mangel an Ethos, wenn wir uns näher mit der Entwicklung der Fortpflanzungstechnologie beschäftigen, da in diesem Bereich die Frauen sowohl die Hauptquelle an ‚organischer Materie‘ als auch die wichtigste Zielscheibe für die Kontrolle über die Natur bilden.
Sexistische und Rassistische Implikationen der neuen Fortpflanzungstechnologien
Gena Corea stellt ausführlich die Kontinuität zwischen der alten Eugenik-Bewegung und der heutigen Gen- und Fortpflanzungstechnologie sowie deren Mangel an Ethos dar. Sie zitiert den marxistischen Genetiker Muller, der für seine Arbeiten über die Wirkung nuklearer Strahlung auf Gene einen Nobelpreis erhielt. Muller sagte, daß die allem Anschein nach ansteigende Unfruchtbarkeit
„eine ausgezeichnete Gelegenheit sei, eine Bresche für positive Eugenik zu schlagen, da die in Frage kommenden Paare unter den gegebenen Umständen fast immer offen sind, wenn man ihnen nahelegt aus ihrer Not eine Tugend zu machen und so viele begabte Kinder wie möglich zu bekommen.“ (Muller 1959)
Aber der Unterschied zwischen Muller (der davon träumte mehr Männer wie Lenin, Newton, Leonardo da Vinci, Pasteur, Beethoven, Omar Khayyam, Puschkin, Sunyat-Sen und Marx zu schaffen) und den alten Eugenikern besteht darin, daß es für die neue Eugenik nicht länger nötig ist, die Kontrolle über vollständige Männer und Frauen zu haben und sie zur Paarung zwecks Geburt dieser Supermänner zu bewegen. Die Genforschung ist bereits so weit entwickelt, daß es heute möglich ist, das von Genies gespendete Sperma zur Befruchtung von Frauen zu verwenden, die ebenfalls Eier höchster Qualität besitzen.
Ein weiterer Schritt in der Anwendung der Prinzipien der Selektion und Elimination kam mit der Perfektion verschiedener Formen der vorgeburtlichen Diagnostik und Qualitätskontrolle sowie mit der Technik der In-Vitro-Fertilisation (IVF). Heute ist es nicht nur möglich, Ei und Sperma nach bestimmten Qualitätsstandards zu isolieren und zu selektieren; es ist ebenso möglich, die Gene zu isolieren, Teile der DNA zu zerschneiden und zu manipulieren, die Chromosomen auf Fehler zu untersuchen, Teile der DNA wieder zusammenzusetzen und zu manipulieren. Auf diesem Wege haben die Wissenschaftler einen direkten Einfluß auf das genetische Material. Überall arbeiten die Genetiker geschäftig an der vollständigen Kartografie der menschlichen, tierischen und pflanzlichen Gene, um bisher unbekannten genetischen ‚Defekten‘ auf die Spur zu kommen (vgl. The Human Genome Project der EG). Ich wäre nicht erstaunt, wenn schon in der nahen Zukunft eine ganze Palette von Krankheiten zu Erbkrankheiten erklärt würden. Die Ideologie der Eugenik und der Sozio-Biologie werden die Kriterien angeben, aufgrund derer zu entscheiden ist, was ‚gesund‘ und was ‚krank‘ ist. Die neuen Erbkrankheiten werden einen großen Markt für Gentherapie und vorgeburtliche Diagnostik eröffnen. Das Ziel dieses ganzen Unternehmens ist die Anpassung des Menschen an die vom homo faber und dem technischen Fortschritt verursachten Zerstörungen der Umwelt.
Sexismus
Sexistische Grundannahmen durchziehen die neuen Fortpflanzungstechnologien und die Genmanipulation auf allen Ebenen. Grundsätzlich bedeutet das, daß die Schwangerschaft und die weibliche Gebärfähigkeit von einem kreativen Prozeß, in dem die Frau mit ihrem Körper als ein aktiver Mensch kooperiert, in einen industriellen Produktionsprozeß verwandelt wird. In diesem Prozeß wird nicht nur die Mutter-Kind-Symbiose zerrissen, sondern der ganze Ablauf wird von medizinischen Experten rationalisiert, objektiviert, geplant und kontrolliert. Mehr als jemals zuvor wird die Frau zum Objekt degradiert und passiv gemacht. Im Patriarchat war die Frau schon immer ein „Objekt“ für die männlichen „Subjekte“. Das Besondere bei den neuen Fortpflanzungstechniken ist, daß der Frau nun der Charakter eines ganzen Objekts genommen wird, und sie nur mehr in eine Serie von Objekten zerlegt wird, die beliebig isoliert, untersucht, rekombiniert, verkauft, verliehen oder einfach weggeworfen werden können, so wie die Eier, die nicht mehr für Experimente oder zur Befruchtung geeignet sind. Die Integrität der Frau als menschliches Wesen, als Individuum, als eine Person, die nicht geteilt werden kann, ist zerstört. Die Ideologie der männlichen Herrschaft über die Natur und über die Frau hat in Verbindung mit der wissenschaftlichen Methode der Analyse und Synthese zur Zerstörung der Frau als Person und zu ihrer Vivisektion in eine Masse reproduktiver Materie geführt.
Die Enteignung der Frauen von ihrer reproduktiven Kompetenz und Kapazität geht ironischerweise Hand in Hand mit der vermehrten Anwendung von Eigentumskategorien auf den weiblichen Körper. Die Techno-Docs, wie Gena Corea sie nennt, erscheinen als die Verteidiger von Frauenrechten und weiblicher Selbstbestimmung. Die Frau ist die Eigentümerin ihrer Eier, sagen sie und die sie unterstützenden Jurist/innen. Wenn die Frau die Eigentümerin ist, kann sie diese Organe verkaufen, verleihen oder sie von einer anderen Frau kaufen. Sie propagieren, daß die „freie Reproduktionswahl“ Teil der weiblichen „Reproduktionsrechte“ sei (s. weiter unten).
Demgegenüber war vor noch nicht langer Zeit die altruistische Rede von der Hilfe für die „arme unfruchtbare Frau“, die sich sehnlichst ein eigenes Kind wünscht, die einzige Rechtfertigungsmöglichkeit für die Fortpflanzungsingenieure. Das Recht auf ein Kind aus eigenem Fleisch und Blut wird inzwischen als ein Grundrecht angesehen. In der Zwischenzeit hat sich zumindest in den USA der Diskurs deutlich verändert. Die berühmte unfruchtbare Frau ist aus den Diskussionen über die politischen Empfehlungen zum Gebrauch der Fortpflanzungstechniken in den 90er Jahren nahezu gänzlich verschwunden. Die neuen Schlüsselworte sind „Reproduktionsalternativen“ und „Reproduktionswahl“: Das bedeutet, daß eine ganze Palette neuer Reproduktionsmöglichkeiten und -technologien jetzt darauf waren, in die Massenproduktion und -Vermarktung zu gehen. Das Urteil des Richters Harvey Sorkow vom April 1987 gegen Mary Beth Whitehead, die Mutter von Baby M, die einen Leihmuttervertrag unterschrieben hatte, ist bereits ein erster Schritt in Richtung der totalen Kommerzialisierung der menschlichen Fortpflanzung. Für Frauen bedeuten diese Entwicklungen in erster Linie den Zwang zu einer rigiden und permanenten Qualitätskontrolle. Schon jetzt ist der soziale Druck auf schwangere Frauen, perfekte Kinder zu gebären, enorm; er wird jedoch noch anwachsen. In den industrialisierten Ländern sind die Frauen bereits jetzt einer Reihe von Schwangerschaftstests unterworfen. Sind sie über 30 oder 35 Jahre alt, geht man von „Risiko-Schwangerschaften“ aus, und sie werden unter Druck gesetzt, eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) durchführen zu lassen, um zu vermeiden, daß sie behinderte Kinder gebären.
In Ländern wie Indien und China wird die Fruchtwasseruntersuchung zum Zweck der Geschlechtsbestimmung durchgeführt, was zu massenhaften Abtreibungen von weiblichen Föten führt. Vimal Balasubrahmaniam hat festgestellt, daß diese, durch die moderne Technologie erst mögliche, Tendenz zum Femizid erstmalig von einigen der westlichen Förderer der Geburtenkontrolle propagiert wurde. „Breeding male“ erschien ihnen als die beste Waffe gegen die „Bevölkerungsexplosion“ (Balasubrahmaniam 1982).
Abgesehen von der totalen Qualitätskontrolle werden die neuen Fortpflanzungstechniken für die meisten Frauen den Verlust des Vertrauens in ihren eigenen Körper und in ihre Gebärkompetenz nach sich ziehen. Schon jetzt haben die meisten jungen Frauen Angst, eine Schwangerschaft gut zu überstehen ohne die konstante Überwachung durch einen Arzt. Die meisten Kinder werden in Krankenhäusern geboren. Die neuen Fortpflanzungstechniken, die überall als Mittel zur Vergrößerung der Wahlmöglichkeiten für Frauen angepriesen werden, werden jedoch die Ängste der Frauen um ein Vielfaches steigern. Frauen werden schließlich völlig passiv werden und sich an medizinische Experten ausliefern, die alles über sie und die Kinder in ihrem Bauch wissen werden.
Die Propaganda der Reproduktionsingenieure zielt eindeutig auf die Entwertung der Kinder ab, die noch von den Frauen als „minderwertige Produkte“ geboren werden. Ihre IVF-Babies seien höherwertiger als „les enfants banales“, die „wild“ gezeugt und geboren seien, nicht künstlich produziert und unter konstanter medizinischer Kontrolle „gereift“, prahlten einige französische Techno-Doktoren. Der Unterschied zwischen „les enfants banales“ und den IVF-Babies wird wie der Unterschied zwischen einer Schöpfung der Natur und einem industriellen Produkt gesehen. Es erstaunt nicht, daß die Fortpflanzungstechnologien in einigen Ländern, wie z.B. in Frankreich, „als Methode der Rationalisierung der Reproduktion“ angesehen werden, die konsequent auf die Rationalisierung der Produktion folgt, die durch den technischen Fortschritt ermöglicht wurde (Gavarini 1984). Daher müssen die Reproduktionsprozesse in den Frauen auch unbedingt der Kontrolle der Wissenschaftler und letztendlich auch der Kontrolle des Staates unterworfen werden. Die neuen Fortpflanzungstechnologien müssen nicht nur auf ihr Potential zur völligen sozialen Kontrolle der Frauen, sondern auch auf ihre aggressive und invasive Natur hin untersucht werden. Frauen, die sich einer IVF-Behandlung unterziehen, sind körperlichen Verletzungen, psychischen Ängsten und oft auch Demütigungen ausgesetzt. Das Programm beginnt mit Fruchtbarkeitskontrollen, die sich über einen langen Zeitraum erstrecken, begleitet von einer Hormonbehandlung, deren Langzeiteffekt wir nicht kennen. Sind die Eier erst einmal reif, werden mehrere Einschnitte in den Unterleib der Frau vorgenommen, um die Eier mithilfe eines Laparoskops zu entfernen. Die Operation wird unter Vollnarkose durchgeführt, der Bauch der Frau wird mit Kohlendioxyd aufgebläht.
Der Rücktransfer der befruchteten Eier in den Uterus der Frau ist ebenso ein invasiver Vorgang. Sie muß sich wiederum Hormonbehandlungen unterziehen, um den Uterurs für die Implantation und das Wachsen des Embryos vorzubereiten. Danach muß sie sich regelmäßigen Ultraschallkontrollen und Fruchtwasseruntersuchungen unterziehen (Duelli-Klein 1985). Diese wiederholten physischen Invasionen lösen Ängste und Traumata aus. Gena Corea beschreibt die Höhen und Tiefen der Hoffnung und Verzweiflung der Frauen in jedem Stadium der IVF-Behandlung (Corea 1985). Durch den Zustand der völligen Passivität sind die IVF-Prozeduren nicht nur schmerzhaft und traumatisch, sie sind außerdem demütigend und erniedrigend für die Frauen. Barbara Burton fand in einer Studie heraus, die bei IVF-Patientinnen in Australien durchgeführt wurde, daß die meisten Frauen den ganzen Prozeß als sehr entfremdend erlebten. Die Ärzte hatten nie Zeit, irgendetwas zu erklären, besonders dann nicht, wenn es keinen Erfolg gab. Eine Frau sagte: „Die Behandlung ist erniedrigend. Du mußt deinen Stolz aufgeben sobald du das Krankenhaus betrittst … Du fühlst dich wie ein Stück Fleisch in einer Fleischfabrik. Aber wenn du unter allen Umständen ein Kind willst, tust du auch das“ (Duelli-Klein 1985, S. 26).
In vielen Ländern ist eine rasche Verbreitung von IVF-Kliniken zu verzeichnen. Die Forschung auf diesem Gebiet geht rasant voran, natürliche Geburten werden immer öfter manipuliert. Es wurde berichtet, daß 60% der Geburten in den Kliniken von Sao Paulo (Brasilien) Kaiserschnitt-Geburten waren. Die Ärzte überzeugten die Frauen mit dem Argument, daß durch den Kaiserschnitt ihre Vagina für ihren Ehemann weiterhin attraktiv bliebe. Wenn diese Frauen dann später auf normalem Wege keine Kinder mehr bekommen können, ist eine IVF-Klinik in der Nähe. Eine der Berühmtheiten der IVF, Dr. Nakamura aus Sao Paulo, betreibt nicht nur eine IVF-Klinik, sondern auch eine Familienplanungs-Klinik. Er hat sogar schon eine IVF-Operation live im Fernsehen durchgeführt. Unglücklicherweise starb die Patientin. Aber Dr. Nakamura gedachte ihrer, indem er seine Klinik nach ihr benannte (Dos Gomes Reis 1985).
Von der Fruchtbarkeit als „Krankheit“ zur Unfruchtbarkeit als „Krankheit“
Wenn wir fragen, wie medizinische Experten eine solche Kontrolle über die Fortpflanzungsfähigkeiten der Frauen bekamen, müssen wir uns die gesamte Verhütungsbewegung der letzten Jahrzehnte ins Gedächtnis rufen. Lange bevor die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Sterilität als Krankheit definierte, wurde Fruchtbarkeit als eine Krankheit behandelt. Nicht nur die Pharmakonzerne, die ihre Verhütungsmittel verkaufen wollten, sondern auch das medizinische Establishment hatten ein offensichtliches Interesse daran, die Fruchtbarkeit der Frauen wie eine Krankheit zu behandeln; auch die Frauen selbst „got sick of their fertility“, wie eine Frau es 1985 auf der Emergency Conference on Reproductive Technology in Schweden formulierte. Weibliche Emanzipation wurde über einen längeren Zeitraum hinweg von vielen Frauen mit der Kontrolle der Frauen über ihre Fruchtbarkeit gleichgesetzt. Viele priesen die Erfindung verschiedener Verhütungsmittel, im besonderen der Pille, als entscheidende technologische Neuerung, die schließlich die Frauen von ihrer unkontrollierbaren Fruchtbarkeit befreien würde. Doch indem sie ihre Fruchtbarkeit als Krankheit, als eine rein biologische Sache ansahen, legten die Frauen die Verantwortung für ihre Zeugungskräfte in die Hände von medizinischen Experten und Wissenschaftlern. Anstatt das ungleiche sexuelle Verhältnis zwischen Männern und Frauen zu ändern, richteten sich die emanzipatorischen Hoffnungen auf technologische Neuerungen und medizinische Behandlung. Dies ist im Grunde auch der Ansatz von Shulamith Firestone, die die weibliche Anatomie als das größte Hindernis für die weibliche Emanzipation ansah. Sie erwartet die Befreiung der Frauen von der künstlichen Gebärmutter, der letzten Stufe der Rationalisierung der Fortpflanzung.
Im Verlauf der Zeit wurden viele Frauen in der Tat krank, jedoch nicht wegen ihrer Fruchtbarkeit. Sie wurden krank, durch den Kampf gegen die Fruchtbarkeit mit Hilfe von Verhütungsmitteln. Es ist bekannt, daß die Unfruchtbarkeit, über die viele Frauen heute klagen, z.T. ein Resultat der invasiven Verhütungsmethoden ist (z.B. der Gebrauch des Dalcon Shield und verschiedener anderer intrauteriner Mittel). Auch die herzlose Behandlung durch die Ärzte gehört zu den Gründen.
Wenn Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit als „Krankheiten“ angesehen werden, wird dadurch verhindert, daß sie als sozial und historisch beeinflußte Erscheinungen untersucht werden. Sie werden als rein biologische Kategorien definiert, die in die Hände von medizinischen Experten gehören. Dies schließt auch die Möglichkeit aus, daß Frauen und Männer zu verstehen beginnen, daß sie selbst eine Verantwortung für ihre Fruchtbarkeit und ihre Unfruchtbarkeit haben und daß ihre Zeugungsfähigkeit viel mit dem sozialen und ökologischen Klima, in dem sie leben, zu tun hat. Jede Bewegung gegen den Sexismus in den neuen Fortpflanzungstechnologien muß mit der Erkenntnis anfangen, daß Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit nicht nur biologische Ursachen haben und „Krankheiten“ sind, sondern auch gesellschaftlich bedingt sind. Die Definition von „Sterilität“ als Krankheit wird nach wie vor von der WHO gestützt. Dadurch versucht die WHO die Frauen in der ganzen Welt zu bewegen, sich in die Hände mächtiger Interessensgruppen zu begeben – in die Hände der medizinischen Technologen und der Pharma-Multis.
Rassismus: Bevölkerungskontrolle und Fortpflanzungstechnologie in der Dritten Welt
Das eugenische Prinzip der Selektion und Elimination manifestiert sich weltweit am deutlichsten, wenn wir uns nicht nur jene Technologien ansehen, die sich gegen „Unfruchtbarkeit als Krankheit“ richten, sondern auch jene, mit denen der Krieg gegen die Fruchtbarkeit geführt wird. Zielgruppe der letzteren sind vor allem die Armen der ländlichen und städtischen Gebiete der unterentwickelten Länder. Während eine Gruppe Frauen unter allen Umständen Kinder produzieren soll, wird die andere Gruppe von Frauen mit allen Mitteln davon abgehalten, Kinder zu bekommen. Der Mythos der Überbevölkerung in den armen Ländern dient als Rechtfertigung für die fortschreitende Anti-Fruchtbarkeitstechnologie. Die alte malthusianische Argumentation daß Entwicklungsanstrengungen von keinem Nutzen seien, solange die Armen zuviele Arme zeugten, ist heute der am weitesten verbreitete Mythos in der Welt. Mittlerweile wird dieser Mythos nicht nur von westlichen Regierungen, sondern auch von Regierungen in der Dritten Welt als Wahrheit akzeptiert. Dieser Mythos wird benutzt, um damit die Intervention in das Fortpflanzungsverhalten nahezu aller Länder in Afrika, Asien und Latein-Amerika zu legitimieren (Mass 1976). Da die Angst vor der „Bevölkerungsexplosion“ der schwarzen und braunen Völker heute in der weißen Welt so weit verbreitet ist, insbesondere auch im Zusammenhang der Umweltkrise, können die Bevölkerungsplaner sehr leicht alle ethischen Rücksichten ignorieren, sobald es zu Maßnahmen gegen die „ungezähmte Fruchtbarkeit“ der Braunen und Schwarzen kommt. Die doppelgesichtige Politik der Selektion und Elimination ist klar ersichtlich, wenn man sich fragt, was aus dem „Grundrecht“ auf ein Kind (ein „Recht“, das so oft hervorgehoben wird, um die Anwendung der neuen Fortpflanzungstechnologien zu legitimieren) in den Händen der Bevölkerungsplaner in Ländern wie Bangladesh, Indien, Thailand und Ägypten wird.
Farida Akhter hat richtig bemerkt, daß Vorstellungen über „Reproduktionsrechte für Frauen“, die von Feministinnen im Westen propagiert werden, keinerlei Bedeutung für die Mehrzahl der Frauen in Bangladesh haben, die von den Bevölkerungskontrollmaßnahmen direkt betroffen sind. Die Verhütungstechnologie, die genau für diese Frauen entwickelt wurde, reduziert die Elemente ihrer persönlichen Entscheidung immer mehr und ersetzt sie durch immer mehr Kontrolle durch medizinische Experten und Gesundheitspersonal. Darüber hinaus werden die Frauen in steigendem Maß durch politischen, ökonomischen und kulturellen Zwang unterdrückt. „Das Recht der Frauen (auf Selbstbestimmung) interessiert hier niemanden“, sagt Farida Akhter (Akther 1986).
Die, der Bevölkerungskontrollpolitik innewohnende offensichtliche Mißachtung der menschlichen Rechte und der menschlichen Würde, kann an einer Vielzahl von Beispielen aufgezeigt werden. Ich werde im folgenden einige prominente Beispiele diskutieren.
Während in den 60er und in den frühen 70er Jahren das internationale Bevölkerungskontrollestablishment noch daran glaubte, daß die Menschen mit Hilfe von Erziehung und Motivation zur Akzeptanz von Verhütungsmitteln gebracht werden könnte, war von 1975 an die Anwendung von Zwangsmethoden und die Tendenz zu „Endlösungen“ wie Sterilisation mehr und mehr zu beobachten. Indien führte während des Notstandes von 1975-1977 eine massive Sterilisationskampagne durch, in deren Verlauf Millionen von Menschen zwangsweise sterilisiert wurden. Diese Kampagne führte im Westen weder zu Vorbehalten, noch zu irgendeiner Form von Protest.
Ebensowenig Aufregung verursacht die chinesische Bevölkerungspolitik mit ihren Zwangsmethoden, die zum weiblichen Infantizid und Fötizid führen (s.o.).
Die heutige Haltung vieler Menschen im Westen ist die gleiche, wie sie amerikanische und englische Eugeniker gegenüber Hitlers Eugenik einnahmen: sie verabscheuen den Zwangscharakter der Maßnahmen, sehen jedoch keine Alternative, die „grenzenlose Vermehrung“ dieser Menschen in der „Dritten Welt“ in den Griff zu bekommen. Diese, in bezug auf die Menschenrechte und die Würde des Menschen doppelgesichtige Haltung wird mit dem Argument gerechtfertigt, daß die „Bevölkerungsexplosion“ eine Krisensituation geschaffen habe, der man nur „auf dem Kriegsfuß“, mit Sofortmaßnahmen und den Methoden des Krisenmanagements zu Leibe rücken könne. Diese Methode wird heute z.B. von USAID propagiert. Dort glaubt man, daß die multisektorale Strategie der Integration von Familienplanung in die Entwicklungs- und Gesundheitspolitik zuviel Zeit fordert und keine direkten Resultate hervorbringt. In dieser Strategie wird die Fruchtbarkeit der asiatischen und lateinamerikanischen Frau nicht mehr länger nur als eine „Krankheit“ betrachtet, die durch Pillen und IUD’s „heilbar“ ist, sondern wie eine Epidemie, wie Cholera, Malaria oder Pocken.
Diese Sichtweise der Fruchtbarkeit der Frauen in der Dritten Welt als einer Epidemie bedeutet, daß der Staat in das Reproduktionsverhalten der Menschen eingreifen muß. Die Bevölkerungskontrolle, früher Familienplanung genannt, ist in den meisten Dritt-Welt-Ländern zu einer Staatsangelegenheit geworden. Diese Staatsintervention wurde auf Druck des „internationalen Staates“ ausgelöst, d.h. der Entwicklungsbehörden und der Kredit-gebenden Organisationen, wie der Weltbank, die die Gewährung von Krediten mit der Forderung nach Bevölkerungskontrolle verbanden. Die Staaten entschieden sich mehr und mehr für „Endlösungen“; und immer mehr wurden die Frauen die Zielscheibe dieser Lösungen. Während in Indien in den Jahren 1975-1976 75 % der Sterilisationen an Männern durchgeführt wurden, wurden 1983-1984 85% der Sterilisationen an Frauen durchgeführt (Daswani, 1985). In Bangladesh stieg die Proportion der Sterilisationen von 19 % in den Jahren 1979-1980 auf 39 % in den Jahren 1983-1984 und auf 43 % in den Jahren 1984-1985 (Akhter 1986, S. 21).
Der Trend zur Durchsetzung von Ednlösungen geht insbesondere zu Lasten der Frauen. Dies zeigt sich auch in der Tatsache, daß in Bangladesh die Nahrungshilfe, die zur Verteilung an notleidende Frauen vorgesehen ist, zur Erpressung von Frauen benutzt wird. Sie werden gezwungen, im Austausch gegen wenige Kilogramm Weizen die Sterilisation zu akzeptieren. Das Nahrungsmittel-Programm für die Bedürftigsten (Vulnerable Group Feeding Programme, VGF) wurde benutzt, um die ärmsten Frauen zu sterilisieren. Die Familienplanungsbehörden verteilen an Frauen, die sich einer Sterilisation unterziehen, Bescheinigungen, auf denen geschrieben steht: „Ihr können zu Lasten der Regierung Nahrungsmittel ausgehändigt werden“. Ohne eine solche Bescheinigung bekommt die Frau keinen Weizen. Alte Frauen, Frauen, die bereits früher sterilisiert wurden und Witwen sind nicht berechtigt, Nahrungsmittel zu bekommen (Akhter 1985).
Dritte-Welt-Frauen als Versuchskaninchen
Die Strategie des Kampfes gegen die Fruchtbarkeit der Frauen in der Dritten Welt ignoriert völlig die Langzeitnebenwirkungen, die die Verhütungstechnologie auf die Frauen hat. Arme Dritt-Welt-Frauen werden nicht wie Personen, sondern wie Zahlen in einer demographischen Statistik behandelt. Was zählt, ist nur das Sinken der Fruchtbarkeitsraten, ohne Rücksicht auf die Nebenwirkungen für Frauen. Viele Dritt-Welt-Regierungen wurden durch kreditgebende Institutionen unter Druck gesetzt, im Bereich der Bevölkerungskontrollpolitik bessere Resultate zu zeigen. Die Regierungen ihrerseits nutzten die gleichen Druckmittel, um ihre Beamten dazu zu bringen, ihr „Soll“ an IUD-Einsetzungen, an Sterilisationen, etc. zu erfüllen. Diese Beamten ihrerseits wiederum setzten oft direkte Gewalt ein, um die Menschen in die Familienplanungscamps zu bekommen. Demographen wie S.P. Jain geben zu, daß das IUD-Programm in Indien unter dem Druck aus dem Ausland formuliert wurde, daß es keine Überlegungen zu eventuellen Nebenwirkungen auf Frauen gab, und daß das Einsetzen der Spirale erst dann aufhörte, als man herausfand, daß eine sehr hohe Prozentzahl von Frauen an erheblichen Nebenwirkungen litt (Daswani 1985).
In diesem Fall, wie auch in vielen anderen Fällen, kann man sagen, daß die Frauen in der Dritten Welt von der multinationalen Drogenindustrie als Versuchskaninchen mißbraucht wurden. Es ist billiger, schneller und politisch einfach, ein „Crash-Programme“ gegen die Fruchtbarkeit durchzuziehen, um dabei gleichzeitig die Langzeitwirkungen von Verhütungsmitteln zu testen, als eben jene Resultate durch Reihentests an westlichen Frauen in westlichen Kliniken zu erhalten. Genau in diesem Sinne wurden eine Reihe von Dritt-Welt-Ländern als Laboratorien für die transnationale Drogenindustrie mißbraucht.
Aber Dritt-Welt-Frauen werden auch in einem engeren Sinn zu Versuchskaninchen gemacht, indem an ihnen überwiegend Verhütungsmittel getestet werden, die noch keine Lizenz für den Gebrauch in den westlichen Familienplanungsprogrammen haben. Dies ist z.B. der Fall mit den „injizierbaren Kontrazeptiva, IC’s“. Nachdem Depoprovera in den USA verboten wurde, nachdem festgestellt wurde, es sei krebserregend und wegen anderer Langzeitwirkungen, heißt das neue IC, das jetzt propagiert wird, NET-OEN (Norethisterone-Oenanthate). NET-OEN wird von German Remedies produziert, einer Tochterfirma der Firma Schering, West-Berlin. NET-OEN ist ein synthetisches Hormon, es wird durch intramuskuläre Injektion verabreicht und seine verhütende Wirkung hält 2-3 Monate an (War on Want 1984).
NET-OEN wurde z.B. in Indien getestet. Die Tests wurden 1984 von Familienplanungscamps initiiert. Erst nachdem Gruppen indischer Feministinnen zu protestieren begannen, wurde die Öffentlichkeit darauf aufmerksam, welche Methoden in diesen Tests angewandt wurden. Die Frauen fanden heraus, daß das Prinzip der „Zustimmung nach Information“ (informed consent) nicht befolgt wurde, als NET-OEN den Testfrauen verabreicht wurde, die Frauen wurden nicht über mögliche gefährliche Nebenwirkungen aufgeklärt.
Das Test-Programm wird von der WHO gefördert und vom Indian Council of Medical Research in den staatlichen Familienplanungs- und Gesundheitszentren durchgeführt. Es wurde ebenso herausgefunden, daß die Feldversuche Teil eines nationalen Programms zur Erforschung der menschlichen Reproduktion sind, das an einer Reihe indischer Forschungszentren läuft und nach einer standardisierten, einheitlichen Methode in verschiedenen Kliniken gleichzeitig durchgeführt wird. All dies vermittelt den Eindruck, einer verantwortlichen und durch und durch wissenschaftlichen Methode (Eve’s Weekly, 5.7.1986). Es mystifiziert jedoch die diesen Tests inhärenten Gesundheitsrisiken für Frauen und verschleiert ihren rassistischen Charakter. Die Gesundheitsrisiken, die indische Feministinnen aufzeigten, sind: Brustkrebs, 2 Arten von Gebärmutterkrebs, ernste Menstruationsstörungen und Vermännlichung weiblicher Föten (Women’s Centre, Bombay 1985, Flugblatt).
IC’s mit Langzeitwirkung wurden eigens für ungebildete Dritt-Welt-Frauen entwickelt, die nach dem Verständnis der Bevölkerungsplaner einer rationalen Kontrolle über ihre reproduktiven Funktionen nicht fähig sind. Dies wird klar und deutlich von den Anpreisern der ICs gesagt. Sie sagen, daß Dritt-Welt-Frauen Injektionen wollen, da sie es gewöhnt sind, immer wenn sie krank sind, Injektionen zu bekommen. Die Methode, die Menschen in der Dritten Welt wie dumme Kreaturen zu behandeln, die man nicht über ihre Krankheit zu informieren braucht, zeigt hier ihr Resultat. Frauen wollen jetzt auch Injektionen gegen ihre Fruchtbarkeit. Auch das Familienplanungspersonal hält Injektionen für die bequemste Methode. Dann ist es nicht mehr nötig, die Menschen aufzuklären oder zu überzeugen. Andere Methoden, die die IUDs und die Pille werden angesehen als etwas, „das über das hinausgeht, was eine unterprivilegierte, unterernährte, überarbeitete Frau handhaben kann“ (Kapil 1985). In der Konsequenz werden ICs wie Depoprovera, NET-OEN oder das Kontrazeptivum Norplant (das unter die Haut implantiert wird und über eine Periode von 5 Jahren das Horomon Levonorgestrel abgibt) speziell für diese Kategorie von Frauen entwickelt.
„Breeding male“
Auch die Technologien, die zur vorgeburtlichen Diagnostik verwendet werden, sind stark von sexistischem und rassistischem Denken geprägt. Wie bereits erwähnt, wird die Amniozentese, die zunächst entwickelt wurde, um genetische Abnormalitäten beim Fötus festzustellen, in Indien nun in großem Umfang als Geschlechtsbestimmungsmöglichkeit verwendet. Da weibliche Kinder in Indien unerwünscht sind, z.T. wegen der hohen Mitgiftforderungen bei ihrer Verheiratung, wird die Amniozentese hier genutzt, um patriarchale Einstellungen und Institutionen zu stärken. Zeigt der Fruchtwassertest, daß der Fötus weiblich ist, lassen die meisten Frauen eine Abtreibung vornehmen. Trotz des Protests der Feministinnen breitet sich diese Praxis des Femizids aus, nicht nur hinsichtlich der absoluten Zahlen, sondern auch geografisch (in die ländlichen Gebiete) und sozial (auf die ärmeren Klassen). Da der Test nur um die Rs. 500 kostet, können sich auch arme Arbeiterfamilien leisten, ihn durchführen zu lassen (Patel 1985). Er wird oft durchgeführt, weil die Frau möglicherweise bereits eine oder mehrere Töchter hat, und nun Angst hat, ihren Mann und ihre Familie mit der Geburt einer weiteren Tochter zu belasten. Adim Vanaik schreibt:
„Nahezu 100% der zwischen 1984 und 1985 durchgeführten 51.914 Abtreibungen durch ein bekanntes Abtreibungszentrum in Bombay wurden nach Geschlechtsbestimmungstests vorgenommen. Es gibt bereits in nahezu allen mittelgroßen Städten Maharashtras spezielle Kliniken zur Geschlechtsbestimmung.“ (Vanaik 1986)
Die schnelle Verbreitung der Fruchtwasseruntersuchung zur Geschlechtsbestimmung und die Abtreibung weiblicher Föten hat unter indischen Feministinnen zu einer Welle des Protests geführt. Doch während die Feministinnen noch für ein Verbot der Geschlechtsbestimmungstests kämpften, wurden in Bombay bereits „fortgeschrittenere“ Methoden zur Geschlechtsbestimmung praktiziert. Die Ärzte der privaten Citi Klinik in Bombay praktizieren eine Geschlechts-Selektions-Technologie, die bereits vor der Befruchtung anwendbar ist. Grundlage dieser Technologie, die 1984 von dem Amerikaner Dr. Ericsson entdeckt wurde, ist die Sperma- bzw. Chromosomentrennung durch Albuminfiltration und künstliche Befruchtung. Sie wird zur Selektion der männlichen Nachkommen angewandt. Der Arzt, der diese Technologie in Bombay anwendet, behauptet, daß sie wissenschaftlicher und ethisch weniger bedenklich sei, als die Amniozentese und die Abtreibung weiblicher Föten. Wenn man lediglich diese Technologie als solche sieht, mag man mit diesem Arzt übereinstimmen. Alles ist sehr sauber, sehr wissenschaftlich, und es ist ein Geschäft. Die Anwendung dieser Technologie wird jedoch das Geschlechterverhältnis in Indien noch weiter zu Ungunsten der Frauen beeinflussen (mehr dazu weiter unten).
Zusammenfassung
Die Entwicklung der Fortpflanzungstechnologie, sowohl die zur Steigerung als auch die zur Minderung der Fruchtbarkeit, vollzog sich in einem ideologischen Klima, das eine scharfe Trennung zwischen Mensch und Natur, Kultur und Natur macht. Frauen und nicht-weiße Völker werden auf die Seite von Natur gestellt, wobei Natur etwas ist, das durch den Weißen Mann erobert und besiegt werden muß. Die vorherrschende Methode der Eroberung und Kontrolle geht einher mit dem Prinzip der Selektion und Elimination, das die Fortpflanzungstechnologien auf allen Ebenen durchzieht. Ohne Selektion und Elimination würden diese Technologien ganz anders aussehen. Darum können sie niemals neutral sein, noch können sie frei sein von sexistischen, rassistischen und letztlich faschistischen Ideologien unserer Gesellschaften. Diese Ideologien sind in den Technologien selbst verankert und sind noch bloß eine Sache ihrer Anwendung. Abgesehen davon kann eine historische Kontinuität festgestellt werden, die von der Eugenik-Bewegung des 19. Jahrhunderts, über die faschistische Rassenpolitik der Nazis bis hin zur heutigen Genetik und zu den Fortpflanzungs- und Bevölkerungskontrolltechnologien reicht. Es ist eine Kontinuität, die sich nicht nur auf die Ideen und die Forschungsmethoden beschränkt, sondern sie schließt die daran beteiligten Personen mit ein.
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