John Zerzan: Patriarchat, Zivilisation und die Ursprünge des Gender

Zivilisation ist sehr grundlegend die Geschichte der Herrschaft über die Natur und die Frau. Patriarchat heißt Herrschaft über die Frau und die Natur. Sind diese beiden Institutionen im Grunde die selbe?

Die Philosophie hat das große Reich des Leidens vorwiegend ignoriert, das sich seit dem Beginn seiner langen Laufbahn in der Arbeitsteilung entfaltete. Hélène Cixous nennt die Philosophiegeschichte eine “Väterkette”. Frauen sind darin ebenso abwesend wie darunter leidend, und sicherlich diejenigen in der Sippe, die am stärksten eingeengt sind.

Camilla Paglia, antifeministische Literaturtheoretikerin, erwägt zur Zivilisation und Frau folgendes:

Wenn ich einen gigantischen Kran auf einem Tieflader vorbeifahren sehe, halte ich voller Scheu und Ehrfurcht an, wie man es bei einer Kirchenprozession tun würde. Welche Macht des Verstandes: welche Großartigkeit, diese Krane binden uns ans alte Ägypten, wo monumentale Architektur zum ersten Mal vorgekommen ist und gebaut wurde. Wäre die Zivilisation in den Händen der Frauen geblieben, lebten wir immer noch in Grashütten.1

Die “Glorien” der Zivilisation und das Desinteresse der Frauen dafür. Für einige von uns bedeuten “Grashütten” die Vermeidung des Irrwegs der Unterdrückung und Zerstörung. Im Lichte des von der technologischen Zivilisation global vorangetriebenen tödlichen Krebsgeschwürs: würden wir doch immer noch in Grashütten leben!

Die Frau und die Natur werden vom vorherrschenden Paradigma universell abgewertet und keinem Mensch mehr kann entgehen, wie das gewirkt hat! Ursula Le Guin schenkt uns ein heilsames Korrektiv zu Paglias Verächtlichmachung beider:

Der zivilisierte Mann sagt: Ich bin Ich, ich bin der Meister, alles andere ist Anders – außerhalb, unten, unterhalb, untergeordnet. Ich besitze, ich benutze, ich forsche, ich beute aus, ich kontrolliere. Was ich tue, darauf kommt es an. Für was ich will, ist die Materie da. Ich bin was ich bin, und der Rest ist Frauen und Wildnis, zum Gebrauch wie es mir passt.2

Sicher gibt es viele, die glauben, dass es frühere Zivilisationen gab, die matriarchal waren. Aber keine AnthropologInnen oder ArchäologInnen, Feministinnen miteinbezogen, haben Anzeichen solcher Gesellschaften gefunden. “Die Suche nach einer wirklich egalitären, geschweige denn matriarchalen Kultur hat sich als ergebnislos herausgestellt,” stellt Sherry Ortner fest.3

Es gab aber, bevor die männerdefinierte Kultur sich festigte oder universell wurde, doch eine lange Zeitspanne, in der die Frauen dem Mann allgemein weniger untergeordnet waren. Seit den 1970ern haben Anthropologinnen wie Adrienne Zihlman, Nancy Tanner und Frances Dahlberg4 den früheren Fokus oder Stereotyp des prähistorischen “Man the Hunter/Mann-Mensch der Jäger” in jenen der “Frau die Sammlerin” korrigiert. Der Schlüssel dazu ist die Tatsache, dass die vorlandwirtschaftlichen Bandengesellschaften durchschnittlich 80% ihrer Versorgung allgemein durch Sammeln und 20% durch Jagen erhalten konnten. Möglicherweise wird die Unterscheidung Jagen/Sammeln übertrieben, und werden auch Gruppen übersehen, in denen, in bedeutendem Ausmaß, die Frauen jagten und die Männer sammelten.5 Aber die Autonomie der Frauen in SammlerInnengesellschaften gründet jedenfalls auf der Tatsache, dass die materiellen Ressourcen zur Versorgung für Frauen und Männer in ihren entsprechenden Aktivitätsbereichen gleichermaßen verfügbar sind.

Im Kontext des generell egalitären Ethos der Jagd und Sammel- oder Nahrungssuchgesellschaften, beschrieben Anthropologinnen wie Eleanor Leacock, Patricia Draper und Mina Caulfield eine allgemein egalitäre Beziehung zwischen Mann und Frau.6 In Zusammenhängen, wo die Etwas beschaffende Person es auch verteilt und wo Frauen ungefähr 80% des Bedarfs beschaffen, bestimmen vor allem die Frauen über die gemeinschaftlichen Bewegungen der Bande und wo das Lager aufgestellt wird. Ebenso gibt es Hinweise darauf, dass sowohl Mann als auch Frau, die von den vorbäuerlichen Leuten gebrauchten Steinwerkzeuge herstellten.7

Bei den matrilokalen Pueblo, Irokesen, Crow und anderen amerikanischen indianischen Gruppen konnten die Frauen eine eheliche Beziehung jederzeit auflösen. Sämtliche Männer und Frauen in Bandengesellschaften bewegten sich letztlich frei und friedlich von einer Bande oder Beziehung zur anderen.8 Nach Rosalind Miles gibt es nicht nur kein Kommando und keine Ausbeutung der Männer über die Frauen, sondern “sie üben wenig bis keine Kontrolle über die Körper der Frauen oder ihrer Kinder aus, machen aus der Jungfräulichkeit oder Enthaltung keinen Fetisch und fordern von den Frauen keine sexuelle Exklusivität.”9

Zubeeda Banu Quraishy macht ein afrikanisches Beispiel: “Der Verkehr unter den Geschlechtern bei den Mbuti war durch Harmonie und Zusammenarbeit geprägt.”10

Aber, möchten wir gerne wissen, war die Lage wirklich je so rosig? Angesichts einer anscheinend universellen Entwertung der Frau, die in ihren Formen nicht aber in ihrer Essenz variiert, bleibt die Frage weiterhin bestehen, wann und wie es grundlegend anders war: Was feststeht ist eine grundlegende Trennung nach Gender im sozialen Leben und selbstverständlich die dazu funktionale Hierarchie. Gemäss der Philosophin Jane Flax sind die am tiefsten eingeprägten Dichotomien, sogar die von Subjekt-Objekt und Geist-Körper, eine Spiegelung der Gender-Entzweiung.11

Gender ist nicht dasselbe wie der natürliche/physiologische Unterschied zwischen den Geschlechtern. Es ist eine kulturelle Kategorisierung und Rangordnung auf Grund einer sexuellen Arbeitsteilung, was wohl die bedeutendste einzelne kulturelle Form ist. Wenn Gender Ungleichheit und Behrrschung einführt und legitimiert, welche zwingend wichtigere Infragestellung könnte es dann geben? So stellt sich die Frage der menschlichen Gesellschaft ohne Gender im Sinne der Ursprünge – und unserer Zukunft – von selbst.

Wir wissen, dass die Arbeitsteilung zur Abrichtung und Zivilisation führte, und dass sie das globalisierte Herrschaftssystem von heute antreibt. Ebenso scheint, dass die künstlich aufgezwungene sexuelle Arbeitsteilung ihre früheste Form und auch, effektiv, die Bildung von Gender war.

Das Teilen der Nahrung wurde schon lange als ein Kennzeichen der Nahrungssuche-Lebensweise erkannt. Auch das Teilen der Verantwortung in der Pflege der Nachkommenschaft, was in den wenigen noch bestehenden Jagd/Sammelgesellschaften immer noch festgestellt werden kann, steht im Gegensatz zum privatisierten und isolierten Familienleben in der Zivilisation. Was wir unter Familie verstehen ist keine ewige Einrichtung, und viel weniger noch war die exklusive weibliche Bemutterung in der menschlichen Evolution unvermeidlich.12

Die Gesellschaft wird via Arbeitsteilung und die Familie via sexueller Arbeitsteilung vereinheitlicht. Der Bedarf nach Integration bezeugt eine Spannung, eine Spaltung, die eine Kohäsions- oder Solidaritätsbasis erfordert. In diesem Sinne liegt Testard richtig: “Hierarchie ist der Blutsverwandtschaft innewohnend.”13 Und mit ihrer Basis in der Arbeitsteilung werden Verwandtschaftsverhältnisse zu Produktionsverhältnissen. “Gender ist dem wahren Wesen der Blutsverwandtschaft eigen,” wie Cucchiari ausführt, “sie bedingen einander.”14 In diesem Bereich sollte nach den Wurzeln der Herrschaft über die Natur wie auch über die Frau geforscht werden.

Als die vereinte Gruppennahrungssuche in Bandengesellschaften spezialisierte Rollen einführte, bildeten Verwandschaftsstrukturen die Infrastruktur von Beziehungen, die sich Richtung Ungleichheiten und Machtgefälle entwickelten. Die Frau wurde typischerweise über eine privatisierende Kinderbetreuungsrolle unbeweglich gemacht; dieses Muster vertiefte sich später, und über die angeblichen Erfordernisse dieser Genderrolle hinaus. Diese auf Gender basierte Spaltung und Arbeitsteilung begann ungefähr im Übergang vom Mittel- zum Jungpaläolithikum.15

Gender und das Verwandtschaftssystem sind kulturelle Konstrukte, die gegen biologische Subjekte festgelegt und aufgezwungen wurden, die, so Juliet Mitchell, “vor allem an einer symbolischen Organisierung der Verhaltensweisen” beteiligt waren.16 Es kann aufschlussreicher sein, symbolische Kultur selbst als von der genderisierten Gesellschaft erfordert zu betrachten, und zwar wegen “der Notwendigkeit, einen strikt dichotomisierten Kosmos symbolisch zu vermitteln.”17 Die Frage zuerst-das-Huhn-oder-das-Ei stellt sich von selbst und ist schwer zu beantworten. Klar ist jedoch, dass es, bis das auf sexuelle Arbeitsteilung basierte Gender-System anscheinend seinen Lauf nahm, keine Hinweise auf symbolische Aktivität (z.B. Höhlenmalereien) gibt.18

Während dem Jungpaläolithikum, der Epoche unmittelbar vor der Neolithischen Revolution der Abrichtung und Zivilisation, hatte die Genderrevolution den Sieg davongetragen. In den ersten Höhlenmalereien, ungefähr vor 35.000 Jahren, wurden männliche und weibliche Zeichen gemalt. Genderbewusstsein kommt als ein allumfassendes Ensemble von Dualitäten auf, ein Gespenst der geteilten Gesellschaft. In der neuen Polarisierung wird die Aktivität Gender-bezogen, Gender-definiert. Die Rolle als Jäger z.B., entwickelt sich als Zusammenschluss unter Männern, und deren Anforderungen werden dem männlichen Gender als erwünschte Züge zugeordnet.

Das, was bis anhin viel einheitlicher und generalisierter war, wie Gruppennahrungssuche oder gemeinsame Verantwortung bei der Kinderpflege, wurde nun zu getrennten Bereichen, in denen sexuelle Eifersucht und der Besitz ergreifende Charakter aufkommt. Gleichzeitig kommt das Symbolische als separate Sphäre oder Wirklichkeit auf. Das wird sowohl in der Form der Kunstinhalte als auch im Ritual und der entsprechenden Praxis ersichtlich. Es ist riskant, die Gegenwart von der weit entfernten Vergangenheit abzuleiten, trotzdem können immer noch überlebende, nichtindustrielle Kulturen etwas Licht ins Dunkel bringen. Die Bimin-Kushusmin in Papua Neuginea, z.B., empfinden den Bruch männlich-weiblich als grundlegend und bestimmend. Die maskuline “Essenz”, finiik genannt, heisst nicht nur mächtige und kriegerische Eigenschaften, sondern auch jene des Rituals und der Kontrolle. Die weibliche “Essenz”, oder khaapkhabuurien, ist wild, impulsiv, sinnlich, und hat von Ritualen keine Ahnung.19

Ebenso schränken die Mansi des Sibirischen Nordwestens die Teilnahme der Frauen an ihren rituellen Praktiken streng ein.20 Bei Bandengesellschaften ist es keine Übertreibung zu sagen, dass die Anwesenheit oder Abwesenheit des Rituals zur Frage der Unterordnung der Frau entscheidend ist. 21

Das gleichzeitige Entstehen der symbolischen Kultur und des genderisierten Lebens ist kein Zufall. Beide beinhalten eine grundlegende Abwendung vom nicht gespaltenen und nicht hierarchisierten Leben. Die Logik ihrer Entwicklung und Ausbreitung ist eine Antwort auf die von ihnen verkörperten Spannungen und Ungleichheiten; beide stehen dialektisch mit der frühen künstlichen Arbeitsteilung in wechselseitigem Zusammenhang.

Auf den Beinen, relativ sprechend, der symbolischen und Gender-Veränderung wurde ein anderer Grosser Sprung nach vorne vollzogen, das heisst jener in die Landwirtschaft und in die Zivilisation. Das ist die definitive “Erhebung über die Natur”, ein rücksichtsloses Hinwegsetzen über zwei Millionen Jahre nicht-dominierender Intelligenz und Vertrautheit mit der Natur. Diese Veränderung war als Festigung und Intensivierung der Arbeitsteilung entscheidend. Meillasoux ruft uns ihre Anfänge in Erinnerung:

Nichts in der Natur rechtfertigt die sexuelle Arbeitsteilung, ebensowenig wie Institutionen wie die Ehe, die Paarbeziehung oder väterliche Abstammung. Alle sind den Frauen durch Zwang auferlegt, alle sind deshalb Tatsachen der Zivilisation, die erklärt werden müssen, und nicht als Erklärungen benutzt werden dürfen.22

Kelkar und Nathan, z.B. fanden nicht sehr viele Genderspezialisierungen unter JägerInnen/SammlerInnen in Westindien, im Vergleich zu den Bäuerlichen dort.23 Der Übergang vom Sammeln zur Nahrungsproduktion brachte in den Gesellschaften überall ähnlich radikale Veränderungen. Belehrend ist ein weiteres, zeitlich näheres Beispiel: Das Volk der Muskogee im amerikanischen Südosten hielt den inneren Wert des unberührten und undomestizierten Urwaldes hoch; die kolonialistischen Zivilisatoren griffen diese Haltung an, indem sich versuchten, die matrilineare Tradition der Muskogee durch patrilineare Beziehungen zu ersetzen.24

Der Locus der Verwandlung des Wilden ins Kulturelle ist das Domizil, sobald die Frauen progressiv in dessen Horizont eingeschränkt werden. Abrichtung [Domestizierung] hat hier ihre Grundlage (auch ethymologisch, vom lateinischen Domus, Haushalt): Schufterei, ein weniger robustes Befinden als beim Sammeln, viel mehr Kinder, und eine niedrigere Lebenserwartung als die Männer gehören zu den Eigenschaften des bäuerlichen Frauenlebens.25 Hier erscheint eine weitere Dichotomie, die Unterscheidung zwischen Arbeit und Nichtarbeit, die für so viele Generationen nicht existierte. Vom Schauplatz der genderisierten Produktion und seiner konstanten Verbreitung stammen weitere Grundlagen unserer Kultur und Mentalität.

Beschränkt, wenn nicht völlig befriedet, werden Frauen als passiv definiert. Wie die Natur als etwas, das gemacht ist um zu produzieren; auf Befruchtung, auf Aktivierung von ausserhalb von ihr wartend. Die Frau erlebt die Verschiebung von der Autonomie und relativen Gleichheit in kleinen, mobilen, regierungslosen, anarchischen Gruppen in einen kontrollierten Status der grossen und komplex regierten Siedlungen.

Mythologie und Religion, Kompensationen der gespaltenen Gesellschaft, bezeugen die reduzierte Stellung der Frau. In Homers Griechenland wurde Brachland (nicht durch Getreideanbau abgerichtet) als weiblich betrachtet, Aufenthaltsort von Calypso, Circe, der Sirenen, die Odysseus dazu verleiten wollten, die Mühen der Zivilisation zu verlassen. Beide, Land und Frau, sind wieder Subjekte der Beherrschung. Aber dieser Imperialismus verrät Spuren von Schuldbewusstsein, was, wie in den Geschichten von Prometheus und Sisyphus, in den Strafen für jene zum Vorschein kommt, die mit Abrichtung und Technologie assoziiert werden. Das Projekt der Landwirtschaft wurde, in gewissen Zonen mehr als in anderen, als Vergewaltigung empfunden; deshalb die vielen Entführungen in Demeters Geschichten. Mit der Zeit, mit dem Anwachsen der Verluste, verschwinden die großen Mutter-Tochterbeziehungen im griechischen Mythos: Demeter-Kore, Clytemnestra-Iphigenie, Jocasta-Antigone.

In der Genesis, dem ersten Buch der Bibel, wurde die Frau aus dem Körper des Mannes geboren. Die Vertreibung aus dem Garten Eden stellt die Preisgabe des JägerInnen- und SammlerInnenlebens dar, die Deportation in die Landwirtschaft und harte Arbeit. Was, natürlich, Eva zulasten gelegt wird, die das Stigma des Falls trägt.26 Eine ziemliche Ironie, da Abrichtung die Angst vor der Frau und der Natur und deren Ablehnung ist, während der Garten-Eden-Mythos dem Hauptopfer dieses Szenarios die Schuld zuschiebt.

Die Landwirtschaft ist eine Errungenschaft, die das vollbringt, was mit der Bildung und der Entwicklung von Gender begann. Trotz der Präsenz von Göttinnenfiguren, die eng mit dem Probierstein der Fruchtbarkeit verbunden sind, geht es in der allgemeinen neolithischen Kultur sehr um Manneskraft. Von den emotionalen Dimensionen dieses Maskulinismus ausgehend, wie es Cauvin sieht, musste diese Abrichtung der Tiere vor allem eine männliche Initiative gewesen sein.27 Seitdem war diese Betonung der Distanzierung und Macht immer mit uns; Grenzerweiterungen, zum Beispiel, als männliche Energie, welche die weibliche Natur Grenze um Grenze unterwirft.

Diese Bahn hat übermächtige Proportionen angenommen, und von allen Seiten wird uns erzählt, dass wir unsere verpflichtende Verwicklung mit der allgegenwärtigen Technologie nicht vermeiden können. Aber auch das Patriarchat ist überall und wieder einmal wird die Minderwertigkeit der Natur vorausgesetzt. Zum Glück “vertreten viele Feministinnen”, sagt Carol Stabile, dass “eine Ablehnung der Technologie grundlegend identisch mit einer Ablehnung des Patriarchats ist.”28

Es gibt andere Feministinnen, die einen Teil der technologischen Unternehmung einfordern, und eine virtuelle Cyborg-”Flucht aus dem Körper” und seiner genderierten Geschichte und Unterjochung postulieren. Aber diese Flucht ist illusorisch, ein Vergessen der ganzen Kette und Logik der unterdrückerischen Institutionen, die das Patriarchat bilden. Diese entkörperlichte Hightech-Zukunft kann nur noch mehr von derselben zerstörerischen Bahn sein.

Freud betrachtete die Einnahme des eigenen Platzes als genderiertes Subjekt als grundlegend, sowohl kulturell, als auch psychologisch. Aber seine Theorie setzt eine schon bestehende genderierte Subjektivität voraus, und das wirft viele Fragen auf. Viele Erwägungen bleiben unbeachtet, wie etwa Gender als Machtverhältnis, und die Tatsache, dass wir als bisexuelle Wesen auf diese Welt kommen.

Carla Freeman stellt eine sachbezogene Frage in ihrem Essay mit dem Titel “Is Local: Global as Feminine: Masculine? Rethinking the Gender of Globalization.”29

Die allgemeine Krise der Moderne hat ihre Wurzeln in der Auferlegung des Gender. Trennung und Ungleichheit beginnen hier, in der Periode, in der die symbolische Kultur selbst aufkommt und bald als Abrichtung und Zivilisation definitiv wird: Patriarchat. Die Genderhierarchie kann genauso nicht reformiert werden, wie das Klassensystem oder die Globalisierung. Ohne eine wahre Befreiung der Frau sind wir dem tödlichen Betrug und der tödlichen Verstümmelung ausgeliefert, die nun überall einen fürchterlichen Tribut an Leben fordert. Die Fülle der ursprünglichen Abwesenheit von Gender kann ein Rezept für unsere Befreiung sein.

1Camille Paglia, Sexual Personae: Art and Decadence from Nefertiti to Emily Dickinson (Yale university Press, New Haven, 1990), S. 38.

2Ursula Le Guin, “Woman/Wildness” in Judith Plant, Ausg. Healing the Wounds (New Society: Philadelphia, 1989), S. 38.

3Sherry B. Ortner, Making Gender, the Politics and Erotics of Culture (Beacon Press: Boston, 1996), S. 24. Siehe auch Cynthia Eller, The Myth of Matriarchal Prehistory: Why an invented Past won’t give women a future (Beacon Press: Boston, 2000).

4Zum Beispiel Adrienne L. Zihlman und Nancy Tanner, “Gathering and Hominid Adaption” in Lionel Tiger und Heather Fowler, Ausg. Female Hierarchies (Beresford: Chicago, 1978); Adrienne L. Zihlman, “Women in Evolution”, Signs 4 (1978); Frances Dahlberg, Women the Gatherer (Yale University Press: New Haven, 1981); Elizabeth Fisher, Woman’s Creation: Sexual Evolution and the Shaping of Society (Anchor/Doubleday: Garden City, New York, 1979).

5James Steele und Stephan Shennan, Ausg. The Archaeology of Human Ancestry (Routledge; New York, 1995), S. 349. Auch M. Kay und Barbara Voorhies, Female of the Species (Columbia University Press: New York, 1975), S. 210-211, z.B.

6Leacock ist eine derjenigen, die am stärksten darauf beharrt und behauptet, dass jegliche Männerherrschaft in Überlebensgesellschaften dieser Art eine Auswirkung der Kolonialherrschaft ist. Siehe Eleanor Burke Leacock “Women’s Status in Egalitarian Society”, Current Anthropology 19 (1978); und ihr Myths of Male Dominance (Monthly Review Press: New York, 1981). Siehe auch S. und G. Cafferty, “Powerful Women and the Myth of Male Dominance in Aztec Society”, Archaeology from Cambridge 7 (1988).

7Joan Gero und Margaret W. Conkey, Ausg. Engendering Archaeology (Blackwell: Cambridge MA, 1991); C.F.M. Bird, “Woman the Toolmaker,” in Woman in Archaeology (Research School of Pacific and Asian Studies: Canberra, 1993).

8Claude Meillasoux, Maidens, Meal and Money (Cambridge University Press, Cambridge, 1981), S. 16.

9Rosalind Miles, The Women’s History of the World (Michael Joseph: London, 1986), S. 16.

10Zubeda Banu Quraishy, “Gender Politics in the Socio-Economic Organisation of Contemporary Foragers,” in Ian Keen und Takako Yamada, Ausg. Identity and Gender in Hunting and Gathering Societies (National Museum of Ethnology: Osaka, 2000), S. 196.

11Jane Flax, “Political Philosophy and the Patriarchal Unconscious,” in Sandra Harding e Merill B. Hintikka, Ausg. Discovering Reality (Reidel: Dortrecht, 1983), S. 269-270.

12Siehe Patricia Elliott, From Mastery to Analysis: Theories of Gender in Psychoanalytic Feminism (Cornell University Press: Ithaca, 1991), z.B. S. 105.

13Alain Testart. “Aboriginal Social Inequality and Reciprocity”, Oceania 60 (1989), S. 5.

14Salvatore Cucchiari, “The Gender Revolution and the Transition from bisexual Horde to Patrilocal Band.” in Sherry B. Ortner und Harriet Whitehead, Ausg. ‘Sexual Meanings: The Cultural Construction of Gender and Sexuality (Cambridge University Press: Cambridge UK, 1984), S. 36. Dieser Text ist sehr wichtig.

15Olga Soffer, “Social Transformation at the Middle to Upper Palaeolithic Transition,” in Günter Brauer und Fred H. Smith, Ausg. Replacement Controversies in Homo Sapiens Evolution (A.A. Balkema: Rotterdam 1992), S. 254.

16Juliet Mitchell, Women: The Longest Revolution (Virago Press: London, 1984), S. 83.

17Cucchiari, op. cit., S. 62.

18Robert Briffault, The Mothers: The Matriarchal Theory of Social Origins (Macmillan: New York, 1931), S. 159.

19Theodore Lidz und Ruth Williams Lidz, Oedipus in the Stone Age (International Universities Press: Madison CT, 1988), S. 123.

20Elena G. Fedorova, “The Role of Woman in Mansi Society,” in Peter P. Schweitzer, Megan Biesele und Robert K. Hitchhock, Ausg. Hunters and Gatherers in the Modern World (Berghahn Books: Now York, 2000), S. 396.

21Steven Harrall, Human Families (Westview Press: Boulder CO, 1997), S. 89. “Examples of the link between ritual and inequality in forager societies are widespread,” gemäss Stephan Shennan, “Social Inequality and the Transmission of Cultural Traditions in Forager Societies,” in Steele und Shennan, op. cit., S. 369.

22Meillasoux, op. cit., S. 20-21.

23Zit. von Indra Munshi, “Women and Forest: A Study of the Warlis of Western India, “ in Govin Kelkar, Dev Nathan und Pierre Walter, Ausg. Gender Relations in Forest Societies in Asia: Patriarchy at Odds (Sage: New Delhi, 2003), S. 268.

24Joel W. Martin, Sacred Revolt: The Muskogee’s Struggle for a New World (Beacon Press: Boston, 1991), S. 99, 143.

25Die Maisproduktion, eine der Nordamerikanischen Beiträge zur Domestizierung, “hatte einen schrecklichen Effekt auf die Arbeit und die Gesundheit der Frauen.” Der Status der Frauen “war in den meisten Gartenbaugesellschaften in den (jetzt) östlichen Vereinigten Staaten definitiv demjenigen des Mannes untergeordnet” als die ersten Kontakte mit Europäern stattfanden. Der Hinweis ist von Karen Olson Bruhns und Karen E. Stothert, Women in Ancient America (University of Oklahoma Press: Norman, 1999), S. 88. Ebenso z.B. Gilda A. Morelli, “Growing up Female in a Farmer Community and a Forager Community”, in Mary Ellen Mabeck, Allison Galloway und Adrienne Zihlman, Ausg. The Evolving Female (Princton University Press: Princeton, 1997): “Die jungen Efekinder [Zaire] wachsen in einer Gemeinschaft auf, in der die Beziehung zwischen Mann und Frau viel egalitärer ist als jene zwischen dem bäuerlichen Mann und Frau” (S. 219). Siehe auch Catherine Panter-Brick und Tessa M. Pollard, “Work and Hormonal Variation in Subsistence and Industrial Contexts”, in C. Panter-Brick und C. M. Worthman, Ausg. Hormines, Health and Behaviour (Cambridge University Press: Cambridge, 1999), im Sinne der viel größeren Arbeit, die im Verhältnis zum Mann in der Landwirtschaft geleistet wird, im Gegensatz zu den SammlerInnen.

26Das Volk der Etoro in Papua Neuginea hat einen ähnlichen Mythos, in dem Nowali, die für ihre Kühnheit in der Jagd berühmt ist, die Verantwortung für den Fall der Etoros aus einer Lage des Wohlstands trägt. Raymond C. Kelly, Constructing Inequality (University of Michigan Press: Ann Arbor, 1993), S. 534.

27Jacques Cauvin, The Birth of Gods and the Origins of Nature (Cambridge University Press: Cambridge, 2000), S. 133.

28Carol A. Stabile, Feminism and the Technological Fix (Manchester University Press: Manchester, 1994), S. 5.

29Carla Freeman, “Is Local: Global as Feminine: Masculine? Rethinking the Gender of Globalization”, Signs 26 (2001).

 

Entnommen aus Ursprünge: Sechs Essays gegen die Zivilisation.