… so lautete im Männerrundbrief Nr. 3 eine der Fragestellungen, von der in der Zusammenfassung des Nürnberger Männertreffens berichtet wurde. Als einer, der nicht an der Diskussion beteiligt war, konnte ich mir beim Lesen das Lachen nicht verkneifen. Die Frauen haben uns anscheinend tief ins Mark getroffen.
Wollen wir uns verändern?
‚Sexualität nur mit Liebe, oder wie‘, ‚lassen sich Veränderungen des Ichs über die Anti-Patriarchats-Diskussion erreichen‘, ‚Freiwilligkeit von Veränderungen/Zwang durch Frauen‘, ‚kann Abbau von Macht mit Lust verbunden sein‘, ‚wie gehen Lernschritte, wenn man öffentlich keine Fehler machen darf/will‘, waren weitere Diskussionspunkte.
Ich werde bei solcher Lektüre den Verdacht nicht los, daß der männliche Veränderungswunsch nicht allzu groß ist. Natürlich, Chauvi möchte keiner mehr sein und Recht haben sie ja auch, die Frauen. Aber, unter uns, geht das nicht auf meine Kosten … Keine Macht, dafür jetzt Liebe, nur kein Fehler, läsßt sich die neue Lust fürs Ich herbei diskutieren, oder vielleicht fürs Überich, ein bisschen unterbewußte Lust wenigstens – Hauptsache politisch korrekt!
Männersorgen. Was wir wollen, dürfen wir nicht mehr. Behaupten müssen wir sogar, wir wollen es nicht mehr. Und keine gibt uns das Rezept zum neuen Sex. Wir ahnen ja schon daß wir dabei zu kurz kommen und sind bereit zu büßen. Wenigstens politisch korrekt soll unser Masochismus sein, damit die Frauen uns endlich nichts mehr vorwerfen können und uns vielleicht doch noch ein bisschen mögen. Auch wir wollen schließlich wissen, wofür wir leiden. Denn wir wollen doch die guten Männer sein.
Arme Männerwelt. Soweit haben sie uns also schon gebracht, das wir uns ändern sollen. Papperlapapp, natürlich wollen wir nichts anderes. ‚Eigeninteresse an Veränderungen finden‘, heißt das im Rundbrief. Wir sind schwer auf der Suche, sachdienliche Hinweise nimmt jede Männergruppe entgegen. Anmachen dürfen, pardon wollen wir nicht mehr. Penetration ist so dermaßen out, ja wir können uns kaum noch an sowas unangenehmes erinnern.
Ja was suchen wir eigentlich noch bei Frauen? Ach richtig, Erotik und Liebe. Was das ist und wie das geht, keine Ahnung, aber nach nichts anderem sehnt sich die neue Moral unserer reinen Herzen.
Wir Glückspilze! Angeblich und sicher rein zufällig suchen Frauen genau dasselbe. Ja wo liegt denn da eigentlich noch das Problem …?
Verpackungsschwindel
Spaß beiseite: es ist Zeitverschwendung wenn Männer über eine neue ‚korrekte‘ Sexualmoral philisophieren und ihnen dabei nur der Frust aufsteigt, worauf sie künftig alles verzichten sollen. Solche weichgespülten Taktiker erleben sowenig neue Seiten an sich, wie die Frauen, die nochmal auf sie hereinfallen.
Die angeblich ’neue Sexualmoral‘ hat es schon immer gegeben und deshalb war sie zu keiner Zeit als Leitfaden nötig. Sie lautet: erlaubt ist alles, was beiden Spaß macht. Männer würgen augenblicklich das Wörtchen ‚beide‘ herunter. Der dickere Brocken steht ihnen noch bevor: Spaß!
Traditionell männliche Sexualität, die zwischen Kopf und Körper, Kuscheln und Sex, Person und Akt trennt, ist häufig ein Egotrip, der letztlich die Penetration zur eigenen Rollenbestätigung im Visier hat. Persönliche Nähe ist möglich, kann aber durch den ritualisierten ‚Akt‘ jederzeit vermieden werden. Eigener Spaß und Lust sind Männern oft weniger wichtig, als die quantifizierbare Penetration.
Gemeinsame Lust
Hier beginnt das Problem: um gemeinsam mit der Frau zu erleben, müssen Männer ihre sicheren Rituale aufgeben und manche müssen sich erstmals fragen, was ihnen gefällt, was sie empfinden, was sie verunsichert und wovor sie Angst haben. Die inzwischen übliche männliche ‚Angst vor der Lust‘ ist oft nichts anderes als die phantasielose Annahme, wenn Männer lustvoll täten, was sie wollten, würden sich doch nur wieder mit einer Frau schlafen und das sei heute leider out.
Nonsens! Natürlich geht es um ein neues Körperverständnis, das es auszuprobieren gilt. Es geht um ein befreites Rollenverständnis und geht um ein befreites Rollenverständnis und und und …
Wer sich davon nichts verspricht oder sich davor fürchtet, sollte eingestehen, daß er die alten Chauvigewohnheiten bevorzugt. Er tut sich und anderen damit einen Gefallen.
Für alle übrigen beginnen spannende Wechselbäder, die weder eine kollektive Ethik noch eine politische Theorie brauchen. Beides ergibt sich umgekehrt und beiläufig durch wachsendes Selbstverständnis. Es gibt viel zu entdecken, packen wir’s aus.
Anmache – natürlich! Zusammen schlafen – warum nicht? Es geht nicht um das ob, sondern um das wie, mit wem und warum eigentlich so wichtig. ‚Sexistische Anmache können erstmal nur Frauen definieren‘, so der Rundbrief. Blödsinn! Jede/r kann fühlen, wenn andere zu nah kommen. Jeder kann Grenzen spüren. Wenn er sie trotzdem überschreitet, verfolgt er sein Phantombild, statt den/die andere zu suchen. Schluß mit den Ritualen, Antenne aufgeklappt für Phantasie und Zwischentöne! Ja und nein sagen, statt alte Filme abzuspulen.
Wozu die Selbstzermürbung? Empfinden bringt Spaß. Gemeinsame Lust kann keine Angst machen.
– Ach ja richtig, wir sind erst dabei, das ‚gemeinsame‘ zu verdauen. Haben wir Angst unsere Lust zu entdecken? Wollen wir uns durch Diskussionen um das Ausprobieren mogeln? Antisexistische Theorie – jawoll! Offenere Umgangsformen – sorry…
Mein Tipp: wer den politisch korrekten Sex entwickelt, verliert über die Jahre die Lust an ihm.
Entnommen aus Männerrundbrief Nr. 4