Wir gehen näher auf die bevölkerungspolitischen Maßnahmen in Puerto Rico ein, weil dort die USA bereits Ende der dreißiger Jahre Massensterilisationen in einem Ausmß praktizierten, das an Völkermord grenzt: 40% aller puertoricanischen Frauen sind heute sterilisiert. (Puerto Rico hatte 1978 3,4 Mio. Einwohner).
Puerto Rico ist für die USA von strategischer Bedeutung. Zum einen haben sie dort Kernwaffen stationiert, zum andern sichern die US-Camps die Ölnachschubwege, die durch den karibischen Raum gehen. 13% des Landes sind heute vom US-Militär besetzt.
Auf einer vorgelagerten Insel führen die USA Bombentests durch und vermieten die Insel für 11000 Dollar pro Stunde an Nato-Länder für Schießübungen.
In den Trainingslagern Puerto Ricos bilden die USA Truppen zum Einsatz gegen revolutionäre Bewegungen in Lateinamerika aus. Verschiedene amerikanische Invasionen wurden bereits von Puerto Rico aus gestartet: 1954 nach Guatemala, 1961 nach Kuba, 1965 nach Santo Domingo.
Puerto Rico war spanische Kolonie, bevor die USA um die Jahrhundertwende die Insel an sich rissen und sie zu ihrem Vasallenstaat machten:
Das bedeutet, daß die Bürger Puerto Ricos zwar die amerikanische Staatsangehörigkeit besitzen, aber bei amerikanischen Wahlen kein Stimmrecht haben. Die USA bestimmen aber die Außen- und Verteidigungspolitik der Insel.
Die USA begannen früh, die Insel auszubeuten. Puerto Rico wurde auf doppelte Art und Weise vom US-Markt abhängig gemacht: viele Güter wurden in die USA exportiert, was zur Folge hatte, daß viele US-Waren importiert werden mußten. Puerto Rico wurde der 5. größte US-Kunde der Welt.
Diese Entwicklung ist erschreckend, wenn man bedenkt, daß Puerto Rico zuvor genügend Nahrungsmittel für den Eigenbedarf produzierte. Die Bauern pflanzten Kaffee, Tabak, Zuckerrohr, Zitrusfrüchte und verschiedene Getreidesorten an.
Als die USA die Produktion auf Zuckerrohr monopolisierten, mußte die Landwirtschaft zentralisiert und auf große Plantagen, die für Weltmarktmaßstäbe profitabel waren, konzentriert werden.
Dieser Prozeß zerriß die Siedlungsstrukturen und Tausende von Bauern wurden entwurzelt, Landarbeiter verloren ihre Arbeit.
Die miserable Lebenssituation führte zu sozialen Unruhen, und jährlich waren bis zu 4000 Puertoricaner gezwungen, in die USA auszuwandern.
1935 kam es in verschiedenen Städten zu Aufständen, die in blutigen Massakern niedergeschlagen wurden. Nationalistische Bewegungen kämpften für die Autonomie Puerto Ricos.
Daß die meisten Puertoricaner unter miserablen Bedingungen lebten, registrierten auch die USA. Sie versuchten jedoch nicht, Arbeitsplätze zu schaffen oder das Gesundheitswesen zu verbessern, sondern sie entwickelten großangelegte Geburtenkontrollprogramme.
Die sich dahinter verbergende imperialistische Logik lautet so: Wenn die Geburtenrate in Puerto Rico reduziert werden kann, vermindert sich die Arbeitslosigkeit, die Mangelernährung der Bevölkerung wird abgeschafft und ebenso die schlechte Gesundheit der Puertoricaner.
Ihre These: Weniger Menschen in Puerto Rico bedeutet mehr Wohlstand für alle.
Mit diesem Versprechen wurden Sterilisationen mit massenpropagandistischen Mitteln in Fabriken, Schulen und sozialen Einrichtungen angepriesen. Die ganze Kampagne wurde „la operation“ genannt und fand breite Unterstützung bei den Ärzten.
1935 wurden bereits 53 Kliniken eröffnet, und in allen anderen Entbindungskliniken wurden Sterilisationen durchgeführt. Nach einer kurzen Testphase, in der verschiedene Verhütungsmethoden und -mittel auf ihre Rentabilität geprüft worden waren, praktizierten die Ärzte meist die sogenannte „post partum“-Methode, die sich als kostensparendste erwiesen hatte.
Das heißt, die Frauen werden kurz nach der Geburt eines Kindes in der Klinik zu einer Sterilisation überredet, da sie von der Geburt noch geschwächt und deswegen schnell zu „überzeugen“ sind. Außerdem ist für den Eingriff kein zusätzlicher Krankenhausaufenthalt notwendig.
1937 wurde Sterilisation in Puerto Rico auch gesetzlich erlaubt.
10 Jahre später konnte die Kampagne stolze „Erfolge“ vorweisen: 21% der puertoricanischen Frauen waren sterilisiert. Bloß: die versprochene Verbesserung der Lebensverhältnisse hatte noch nicht stattgefunden.
1947 versprachen die USA mit der „operation bootstrap“ – einer Kampagne zur Sanierung der Wirtschaft Puerto Ricos – der Bevölkerung Unabhängigkeit und einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung.
Die monokulturelle Zuckerindustrie sollte in dieser Kampagne auf andere Industriezweige umgestellt werden. US-Firmen wurden angereizt, in Puerto Rico zu investieren – man räumte ihnen u.a. Steuerfreiheit für Investitionen ein, und 25% der Lohkosten wurden aus der Staatskasse finanziert – eine Regelung, die auch heute noch gilt.
2000 US-Unternehmen installierten sich daraufhin in Puerto Rico und mindestens 150 Niederlassungen der größten US-Konzerne. Über Ölrafinerien, chemische und elektronische Industrieanlagen schaufelten die USA in Puerto Rico Gewinne.
10% aller Gewinne, die das US-Kapital aus direkten Investitionen zu verzeichnen hatte, stammen aus Puerto Rico.
Der Bevölkerung allerdings brachte die hochtechnologisierte Industrie keine neuen Arbeitsplätze, geschweige denn den materiellen Wohlstand.
Im Gegenteil: 40% der Inselbewohner verließen die Insel, weil sie dort für sich keine Überlebenschancen mehr sahen. Zur Eindämmung des sozialen Elends wurden weiterhin Verhütungs- und Sterilisationsprogramme ausgeweitet. Private Fonds wie z.B. die IPPF (Internationale Organisation für geplante Elternschaft, s. auch Artikel zu Bevölkerungspolitik-Organisationen) finanzierten private Geburtenkontrollkliniken.
Ergebnis: 1965 waren bereits 35% der Frauen sterilisiert. Diesen Kampagnenerfolg begründeten die Mediziner mit dem „starken Sterilisationsbedürfnis der puertoricanischen Frauen“. Dazu muß gesagt werden, daß den Frauen oft nichts anderes übrig blieb, als sich sterilisieren zu lassen: Eine Entscheidung für ein Kind wurde von der Gesundheitsbehörde gezielt erschwert. Es gab kaum mehr Schwangerschafts- oder Kinderfürsorge. Auf Abtreibungen, die illegal durchgeführt wurden, stand eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren.
Sterilisationen dagegen gab es kostenlos. Pro Sterilisation erhielt der Arzt 50 Dollar, das Krankenhaus erhielt einen staatlichen Kostenzuschuß von 90%.
19000 Sterilisationen wurden pro Jahr auf der Insel durchgeführt. Wenn in diesem Tempo weitergemacht wird, sind die Bauern und Landarbeiter Puerto Ricos bis in 20 Jahren ausgerottet. Dafür haben dann die Militärstrategen und das US-Kapital mehr Raum auf der karibischen Insel.
Der Plan 2020 – Völkermord am puertoricanischen Volk
Der 2020 Plan ist ein Projekt der US-Regierung, ihre Kolonie Puerto Rico für ihre militärischen und wirtschaftlichen Interessen auszubeuten. Die Durchsetzung dieses Planes bis zum Jahre 2020 bedeutet die Zerstörung der Lebensbedingungen für das Volk von Puerto Rico.
In diesem Projekt sind für das Land 11 Industrieparks und 17 Militärbasen rund um die Küstenlinie der Insel geplant. Im Landesinneren wird das Land durch den Übertage-Abbau von Metallen und Mineralien wie Nickel, Kupfer und Kobalt zerstört. Diese Metalle sind notwendig für die Konstruktion und den Transport von Nuklearen Waffen.
Nicht nur, daß durch diesen Bergbau die Landwirtschaft zerstört wird – auch ist mit dieser Industrie eine enorme Verseuchung der Luft wie der Wasserressourcen der Insel verbunden. Durch diesen Metall-Abbau würden 80% der Frischwasserversorgung von Puerto Rico vergiftet. Allein der Kupferabbau würde das Wasser für 1 Million Menschen vergiften.
In den „Industrieparks“ sind hauptsächlich Metallweiterverarbeitende Industrien angesiedelt, außerdem Petrochemie und Pharmachemie, die alle erheblich umweltzerstörende Industrien sind. Bergbau und weiterverarbeitende Industrie würden zu einer Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts führen. In Puerto Rico gibt es keine Umweltschutz- und Arbeitsschutzgesetze, so daß die US-Konzerne in der Kolonie ihre Ausbeutung und Produktion uneingeschränkt durchführen können. Schon heute ist der Prozentsatz von Vergiftungserkrankungen bei Kindern durch die extreme Luftverschmutzung und unkontrollierte Chemie in Lebensmitteln sehr hoch. Kennecott, Anaconda und Amax sind die Hauptkonzerne, die die Ausbeutung von Puerto Rico vorbereiten. (Kennecott hat den Militärputsch in Chile unterstützt und finanziert.)
13% des Landes von Puerto Rico ist schon heute von US-Militär besetzt. Der 2020 Plan sieht nun einen enormen Ausbau dieser Militärbasen vor, die neben den für sie notwendigen „Industrieparks“ liegen, um diese im Krieg zu schützen. Puerto Rico wird damit endgültig zu einer für die US-Regierung sicheren Militärbastion in Lateinamerika ausgebaut. Nach den Invasionen, die in den 60er Jahren von dort gestartet wurden, sieht die militärische Planung heute Luftangriffe von Puerto Rico aus auf El Salvador vor.
Die im 2020 Plan vorgesehene Industrialisierung und Militarisierung von Puerto Rico ist nicht nur stark umweltzerstörend, sondern auch hoch technologisiert, d.h. es besteht kaum Bedarf an Arbeitskräften.
Obwohl die Sterilisationsrate für Frauen auf der Insel mit 40% schon eine der höchsten der Welt ist, wird dieses Völkermordprogramm im 2020 Projekt weiterentwickelt. Bis zum Jahre 2020 soll die Bevölkerung von 4 Mio. heute auf 1,5 Mio. reduziert werden!
In 17 Orten im Zentrum von Puerto Rico, dort wo die Pläne den Metallbergbau vorsehen, ist im letzten Jahr nur ein lebensfähiges Kind geboren worden. Der 2020 Plan ist Völkermord und zerstört Volk und Land.
Die Hoffnung der US-Regierung, gleichzeitig mit dem 2020 Plan auch den Widerstand gegen die imperialistische Kolonialpolitik zu zerstören, wird sich nicht erfüllen. Auf Puerto Rico und auch vom puertoricanischen Volk in den USA gibt es militanten revolutionären Widerstand gegen den US-Imperialismus und seine mörderischen Pläne – für ein unabhängiges und sozialistisches Puerto Rico.
Kurzer Ausschnitt aus einem Flugblatt von 1981 der „New Movement in Solidarity with Puertorican and Mexican Revolutions“:
Heute kämpft das puertoricanische Volk für die Rückgewinnung seines Landes und für die Errichtung einer gerechten, sozialistischen Gesellschaft frei von Ausbeutung. Organisiert im Untergrund, außerhalb der Reichweite der Augen und Ohren der USA, mobilisieren und führen fünf Organisationen das puertoricanische Volk im Volkskrieg für die Vertreibung der USA. Menschen nehmen auf vielen verschiedenen Ebenen an einem Volkskrieg teil. Auf Puerto Rico reicht das von bewaffneten Angriffen der Untergrundorganisationen bis zur wachsenden Zahl derjenigen, die sich nicht an den von den USA kontrollierten Wahlen beteiligen.
Der sich entwickelnde Volkskrieg findet auch hier in den USA statt. Seit 1974 hat die FALN (Fuerzas Armadas de Liberacion Nacional) über 100 Bombenanschläge gegen militärische, politische und wirtschaftliche US-Institutionen durchgeführt. Indem sie den Volkskrieg aktiv in die USA getragen hat, hat die FALN dem US-Imperialismus materiellen Schaden zugefügt. Sie hat mit dem puertoricanischen Volk für das Bewusstsein gekämpft, daß der US-Kolonialismus unrechtmäßig auf Puerto Rico ist, und dafür, sich am Kampf für die Beendigung der US-Herrschaft über ihr Land zu beteiligen.
Heute gibt es 11 puertoricanische Kriegsgefangene. Zehn wurden im April ’80 und einer im Mai ’81 verhaftet. In der Haft erklärten sie sich zu Freiheitskämpfern für ihr Land und forderten, als Kriegsgefangene behandelt zu werden, entsprechend internationaler Gesetze, in denen ihr Recht zum Kampf gegen den US-Kolonialismus festgelegt ist.
Verurteilt wegen „Aufrührerischer Verschwörung“ sitzen sie alle mit langen Haftstrafen (50-90 Jahre). …
Fünf der Kriegsgefangenen sind Frauen. Puertiricanische Frauen haben zu allen Zeiten dafür gekämpft, sich und ihr Land zu befreien, und dargelegt, daß keine puertoricanische Frau und kein Mann frei sein wird, solange nicht der US-Kolonialismus beendet ist. (…)
(aus „Im Herzen der Bestie“, Info Nr. 7, Juli 1982, AKAS, Düsseldorf)
Entnommen aus Materialien gegen Bevölkerungspolitik.