Antipatriarchale Perspektiven gegen jeden Krieg
Wir glauben, daß die Handlungsfähigkeit in Bezug zu den laufenden und kommnden Kriegen nur unter Einbeziehung des Geschlechterverhältnisses möglich ist. Als einen Aspekt beleuchten wir deshalb die Herstellung des Geschlechterverhältnisses und der damit verbundenen sozialen Hierarchisierung.
Dazu muß der Zusammenhang von Krieg, sexualisierter Gewalt, Militär und Zweigeschlechtlichkeit deutlich werden! Dazu stellen wir zwei Thesen auf. Und beginnen mit einer Begriffsbestimmung von Patriarchat, um deutlich zu machen, auf welche Herrschaftsform wir uns in ihrer Bekämpfung beziehen.
Patriarchatsbegriff. Versuch einer Begriffsbestimmung
Wir definieren Patriarchat als Herrschaftsform, innerhalb derer sich historisch entlang der Biologie zwei soziale Geschlechter herausgebildet haben.
- Extremster Ausdruck dieser sozialen Geschlechterordnung ist die Ausübung sexualisierter Gewalt durch Männer, die ihren Körper als Waffe zur Unterwerfung einsetzten. Mit dem Einsatz der Waffe „Körper“ und „Geschlecht“ werden täglich aufs Neue Machtansprüche, Herrschaft und Verfügungsgewalt über Frauen durchgesetzt.
- Die soziale Geschlechterhierarchie beginnt mit der medizinischen Eliminierung biologischer Abweichungen von dieser angenommenen Norm. Aus eben diesem Grund sind Zwitter sowohl biologisch wie sozial in dieser Gesellschaft unsichtbar, bzw. vernichtet worden. Die Unsichtbarkeit von möglichen anderen Geschlechtskategorien ist zwingend, um auf einer scheinbar natürlichen biologischen Zweigeschlechtlichkeit die scheinbar ebenso natürliche soziale „Ordnung“ in die Köpfe hineinzupflanzen. Vor der Geburt wird mit der normalsten aller Fragen („Ist es ein Junge oder ein Mädchen?“) die Sozialisation festgelegt und darüber das Kind in allen Lebensbereichen bestimmt. Dem Kind wird weder eine Entscheidungsmöglichkeit gelassen, noch jenseits dieser beiden Kategorien lebbare Realitäten annähernd eingeräumt. Die Biologischen Eindeutigkeiten, an Zwittern gewaltsam hergestellt, bestimmen den Personenstand und definieren die gesellschaftliche Rolle und das Leben in hierarchischen Strukturen.
- Im kapitalistischen Patriarchat sind menschliche Beziehungen auf den Kopf gestellt. Die Aufspaltung von Produktion und Reproduktion und die Bewertung der „Produktion als gesellschaftserhaltende Tätigkeit von alles bestimmender Wichtigkeit“ und Reproduktion als „naturwüchsige Lebensäußerung, nicht gesellschaftlich, der Produktion nachgeordnet“ ist gekoppelt an die Geschlechterhierachie. Wird der Frau qua Personenstand der reproduktive Bereich zugeordnet (Hausarbeit, Erziehung, Sozialarbeit, Subsistenz), so wird der Mann mit dem produktiven Bereich gleichgesetzt, der in der Regel auf Zerstörung basiert, auf Eroberung anderer Märkte und auf ein kriegerisches Verhältnis gegnüber den jeweiligen Gegnern, die die eigenen Machtinteressen bedrohen. Der „weiße Mann“ ist der Maßstab und definiert, was und wer Wert ist. Alle Beziehungen werden diesen Wertdefinitionen untergeordnet (z.B. Zivilisierte Welt mit wertvollen Menschen gegen barbarische Welt/das Existenzrecht von Flüchtlingen und MigrantInnen wird in diesem Land an ihre Verwertbarkeit gekoppelt). Der weiße Mann als Norm und die daran gekoppelte Wertdefinition hat sich durchgesetzt und ist allen Verhältnissen eingeschrieben. So sind die weiter unten beschriebenen „Grenzübertritte“ von Frauen/schwarzen Menschen möglich, ohne diese Norm in Frage zu stellen.
- Die Brutalität der medizinischen Zuweisung am Beispiel der Zwitter verweist darauf, wie wichtig die Zweigeschlechtliche Ordnung ist, um die Geschlechterhierachie durchzusetzen. Die Anpassung an die vorgegebene Rolle durchdringt alle Personen und wird gewaltsam flankiert. Patriarchat kennzeichnet ebenso eine rassistisch organisierte Herrschaftsform. In dem Bild vom weißen mann als dem eigentlich Wertschöpfenden wird die ökonomische Ausbeutung geschlechtlich und rassistisch/kolonial organisiert (Greencard für Inder/Abschottung Festung Europa, Zivilisation/Barbarei, Definition von wertvollen/weniger wertvollen Menschen mit der Legitimation zum Töten). Die Werte der Zivilisation gegen die Barbarei prägen das Schlachtfeld im Kreuzzug gegen das Böse, den Islam, die arabische Welt. Und der Krieg verlängert sich in den Metropolen u.a. auch im Kampf gegen die Flüchtlinge. Dieser Krieg ist in wesentlichen Zügen auch von kolonialen Begriffen geprägt. Der weiße Mann, Inbegriff der sogenannten zivilisierten Welt, bildet die Norm ab an dem alles gemessen wird.
These 1:
Das Modell der Zweigeschlechtlichkeit ist eine zentrale Institution zur Herausbildung kriegerischer, militarisierter Verhältnisse. Die existierende Geschlechterordnung bringt sowohl sexistische Gewaltverhältnisse als auch kriegerische, durchmilitarisierte Strukturen hervor. Eine antipatriarchale Antikriegsposition verweigert sich nicht nur bipolarer Positionierung, sondern sollte das Mann-Frau-Konzept als ein Fundament für die Kriegsfähigkeit und Mobilisierbarkeit der Gesellschaft politisch wie praktisch sabotieren. Angriffe auf die Geschlechterordnung sind im gesellschaftlichen Sinne wehrkraftzersetzend, weil sie klare Wertigkeiten außer Kraft setzen und an einer kriegswichtigen Front Desorientierung verbreiten.
Die Kategorisierung in Frau und Mann schafft den Ausgangspunkt täglicher Rollenzuweisung, ein Oben und Unten. Bipolares Denken ist Teil patriarchaler Herrschaft und bedeutend für die Kriegsführung und Kriegsfähigkeit. Die Dualismen Freund-Feind, Mann-Frau, Zivilisation-Barbarei, Mensch-Natur, deutsch-fremd, gesund-krank, weiss-schwarz schaffen die Voraussetzung für gesellschaftlich legitimes Morden.
… zweigeschlechtlichkeit und sexualisierte Gewalt …
Die ständige Androhung und Ausübung sexualisierter Gewalt ist eine der Formen, um die Herstellung zweier Geschlechter bzw. damit einhergehender Rollen zu garantieren und stets neu durchzusetzen, mit dem Zielm Herrschaft abzusichern. Die alltägliche Verinnerlichung sexualisierter Gewalt und Hierarchie läßt Männer als Männer und Frauen als Frauen erscheinen. Unklare Positionen werden im Zweifelsfall weiblich definiert und Sexismus auf „Nichtmännliches“ anwendbar gemacht. Der Schwache, die Tunte, der Krüppel, der „Flüchtling“, der unterlegene Feind, der Zwitter, der Gegner – diese Bedrohungen, das Andere wird von der Position des weißen, „gesunden Herrenmenschen“ ausgehend definiert, verweiblicht und entsprechend angegriffen.
Ein Widerstand gegen sexualisierte Gewalt, der zwar keine gewalttätigen Rollen zwischen den Geschlechtern will, jedoch weiterhin von zwei Geschlechtern ausgeht (oder gar von zwei Rollen), verfehlt das Ziel. Das Konzept „Mann-Frau“ garantiert das Herrschaftsverhältnis und es wird nicht durch „besserer Mann“, „schwuler Mann“, „lesbische Frau“ oder „feministische Frau“ aufgebrochen, es reproduziert in der biologischen Zuordnung bereits die soziale Rolle. Die oben genannten Zuordnungen durchbrechen den gewalttätigen Rahmen nicht, sondern stabilisieren und verschleiern ihn nur.
… und Struktur und Funktion von Militär
Mit der Herausbildung der Identifikation mit dem Staat, dessen Diener der Mann werden sollte, waren auch die Grundlagen für eine Bereitschaft hergestellt worden, für die Nation einzutreten, für das Angriffs- und Verteidigungsinteresse einer Nation in Form des Militärs als Männlichkeitsmaschinerie. Die Voraussetzung dazu war die Kasernierung als Ort der Prägung patriarchaler Männlichkeit, logischerweise unter Ausschluss von Frauen.
In der heutigen Zeit des „modernisierten“ Patriarchats benötigt es biologischer Ausschlusskriterien in dieser Form nicht – das heutige Militär ist der Anwesenheit von Frauen gewachsen, die Erkennungsmuster Rosa und Blau, was ist sozial ein Mann, was ist sozial eine Frau, bleiben trotzdem erhalten und sind nach wie vor zwingend notwendig.
Dortige Funktionen können von einer biologischen Frau ausgekleidet werden – wenn sie Manns genug ist – ihren Mann steht. (In der Regel heißt das bekanntlich, besser zu sein als der Mann). Auch nach dem Eintritt von Frauen liegt hier eine sexistische Struktur zugrunde, welche die Grundlage der Herausbildung patriarchal-männlicher Identität ist. Sexualisierte Angriffe gegen Soldatinnen sind darin kein Widerspruch.
Wenn weibliche Soldaten in der Zukunft belästigt werden, vergewaltigt werden, wird dies als „Defekt“ von Einzelnen interpretiert werden. Die Funktion des Militärs wird durch Frauen in der Armee nicht in Frage gestellt – das Patriarchat modernisiert sich lediglich und legitimiert die eigenen Institutionen aufgrund gesellschaftlicher Dynamiken und Anforderungen nur neu.
So wie eine rassistische Regierung einerseits in Tod, Folter und Elend abschiebt und mit Greencard andererseits jene ins Land holt, die für den Standort Deutschland verwertbar sind, so werden mit einer Olivgreencard Frauen in eine Institution eingelassen, die als exklusiver Männerclub galt.
Die einzige Bedingung: Funktionieren nach patriarchalen Prinzipien: Befehl und Gehorsam, Hierarchien und das Akzeptieren von Gewalt und Mord als Mittel von Konfliktlösung oder Durchsetzung von Machtinteressen.
Sind die Grenzen klar, lassen sich die Grenzübertritte und die Visabedingungen klären.
Frauen sind nicht mehr nur Opfer, sondern werden durch „Inkorporation“ von Machtverhältnissen zu Nutzniesserinnen und Teilhaberinnen patriarchaler Herrschaft.
Kriegsvorbereitung ist ein sozialer Prozeß, in den viele Teile der Gesellschaft mitgenommen werden müssen und wir befinden uns inmitten einer großen Mobilmachung der Gesellschaft.
Die biologischen Personen sind dann austauschbar, wenn das patriarchale Prinzip gewahrt bleibt. Das Projekt „Mann-Maschine“ schafft neue Identifikationen, die den präzisen Eingriff als Allmachtphantasie abfeiern. Die Kriegstechnologie der NATO ist männlich zugeordnet, weil sie stark, allmächtig und auf den Punkt genau zu treffen vermag, wie uns die Propaganda suggeriert.
Nicht die gepflegten Übergänge von A nach B und von Rot nach Blau oder umgekehrt sind zu organisieren, sondern ein Widerstand, welcher das Prinzip der Zweigeschlechtlichkeit als zentrales Fundament für patriarchale Herrschaft zu zerstören trachtet. Anders ausgedrückt: eine Antikriegsposition, die „nur“ die ökonomischen, geopolitischen Interessen z.B. am Krieg analysiert, geht nicht die Fundamente des Systems an, das Militär in seiner Handlungsfähigkeit bedingt. In die Institution Militär ist die patriarchale Funktion Mann eingeschrieben.
Es bdarf einer persönlichen Aufkündigung der Zugehörigkeit Mann-Frau und die Schaffung dissidenter Orte.
Die dissidente Position sucht sich keine neue Heimat entlang heterosexistischer Frau-Mann-Normierung und zielt auch nicht auf die gesellschaftliche Anerkennung und Teilhabe am Kuchen, die gerne in Regierungsstühlen, korrupten NGO’s und Homoehen verenden. Eine dissidente Position will kein neues Transsexuellengesetz und auch keinen hippen Platz an der Transgenersonne, sondern ist disfunktional weil ort- und bezugslos. Ein wie auch immer geartetes Beziehen auf ein Mann-Frau-Konzept reproduziert sexualisierte Gewalt, stützt patriarchale Herrschaft und sabotiert nicht die patriarchale Logik von Militär und Krieg. Beginnen wir also die Diskussion um neue Widerstandskonzepte, in denen Krieg, Zweigeschlechtlichkeit, Militär und sexualisierte Gewalt gleichermaßen angegriffen wird.
Damit kommen wir zur zweiten These:
These 2:
Nur ein Widerstand, der sich gegen jeden Krieg ausspricht, die radikale Entwaffnung von Herrschaft zu organisieren versucht und in Bezug setzt zu anderen globalen Kämpfen mit ähnlicher Ausrichtung von Widerstand, entzieht sich im Handeln der Logik von Krieg. Jede Parteinahme für einen kriegerischen Angriff durch einen Staat oder antiemanzipatorische bewaffnete Organisationen, die Macht und Herrschaft anstreben, ist eine Unterstützung von Krieg und kann kein positiver Bezugspunkt für uns sein. Die Infragestellung der Werte des westlichen Zivilisationsmodells sind eine Voraussetzung dafür.
Im Zusammenhang mit dem 11. September sind „Krieg und Terror“ aus dem Mund der Herrschenden Propagandabegriffe und nur zwei Seiten ein und desselben patriarchalen Geldstückes!
Der Terrorbegriff diente schon seit Jahren dazu Widerstand zu diskreditieren, zu kriminalisieren und je nach Lage zu eliminieren. Er wird jetzt ausgeweitet eingesetzt auf GlobalisierungsgegnerInnen und zukünftigen Widerstand. So sind heute schon Flüchtlinge qua Existenz „terrorismusverdächtig“, ihr unerlaubtes Eindringen in die Festung Europa zieht Abschiebeknast nach sich, etc. „Terror“ ist seitens der Herrschenden ein Synonym geworden für die Bedrohung herrschender Interessen und reibungsloser Verwertungsabläufe.
Die Angriffe am 11.9. auf Machtsymbole waren nicht staatlich legitimierte Kriegshandlung im Sinne der patriarchalen Logik und sollten polarisierend wirken, verschlossen sie doch gewollt politische Handlungsspielräume. Die Anschläge richteten sich nicht gegen die bestehenden Kriege sondern eskalierten diese. Die Machthaber sahen (oder gaben) sich in dem Angriff bedroht und folglich müsse die „Zivilisation“ jetzt gegen die „Barbarei“ verteidigt werden. Der Anlaß für eine globale Kriegspolitik war moralisch gegeben. Der daraufhin propagierte Begriff von der „Achse des Bösen“ spricht für sich: Kreuzzug gegen das Böse, heiliger Krieg und Kampf der Kulturen, Christentum gegen Islam. Wenn wir „Zivilisation“ als Herrschaftsmodell betrachten, das seine Kreuzzüge vor 1000 Jahren begann und bis heute in kolonialer Art und Weise in andere Kulturen einfällt (Sanktionen/Investitionen, Weltbankdiktate/Entwicklungshilfe, kriegerische Interventionen/Sterben lassen bei Hunger/Seuchen, etc.) befinden wir uns heute in einer neuen Stufe von Krieg. Der demokratische Deckmantel fällt schon seit einiger Zeit und starke Angriffe gegen alle Kräfte, die aus welchen Gründen auch immer Sand im Getriebe reibungsloser Verwertungsprozesse darstellen, ist in Vorbereitung. Die Einführung um eine Militärgerichtsbarkeit und Diskussionen über Anwendung der Folter in den USA, die Durchpeitschung des Sicherheitspaketes im Bundestag, die EU-weite Neudefinition von Terrorismus und dessen Eliminierung, die Militarisierung der Köpfe ebenso wie der Sozialpolitik untermauern dies. Krieg und „Terror“ werden als zwei divergierende Begriffe benannt, die sie eigentlich nicht sind. Der Terrorbegriff dient und diente den Herrschenden, um ihre unglaubliche Gewalt zu legitimieren.
Der Atomkrieg ist keine Drohung mehr sondern wird als ernsthafte Option der Herrschenden in die Kriegspolitik der verschiedenen Regionen einbezogen, wenn er nicht bereits konkret geplant ist. Es hat weder einen Zweck, weiterhin zugekleistert mit der Illusion unseren Alltag weiterzuleben, als hätte ein globaler Krieg keine globalen Folgen. Es hat auch keinen Zweck uns vor diesen Tatsachen zu verschließen, noch wie ein Kaninchen vor der Mattscheibe sitzend zu überlegen, auf welcher Seite wir uns nun im Kampf der Guten gegen das Böse einfinden wollen. Damit kapitulieren wird vor den Verhältnissen und verlängern diese nur.
Weder im Golfkrieg gab es eine gute Seite auf die wir uns hätten schlagen können oder wollen. Noch gab es sie im Krieg um Jugoslawien, mit den verschiedenen Warlordstrukturen, dem jugoslawischen Staat oder der Nato, der BRD, etc. Es gab diese gute Seite auch nicht im Afghanistankrieg. Und ebenso wenig können wir erkennen warum wir uns nun entweder auf die Seite Israels oder Palästinas schlagen sollten, reproduzieren wir damit nur die Kriegslogik. Diefferenzierte Positionen werden in diesem polarisierten Konflikt beiderseitig zerrieben, bleiben ungehört und sind letztlich unerwünscht. Im Nahostkrieg wird je nach unterschiedlichen Mitteln und Fähigkeiten beiderseitig mit Panzern und Selbstmordattentaten eskaliert und gemordet, so dass eine Solidarisierung mit einer der Kriegsparteien unter emanzipatorischen Ansprüchen nur verweigert werden kann.
Auch wenn hiesige Linke, je nach Position, Biographie und ideologischem Überbau, sich der einen oder anderen Seite zuordnen, es gibt diese gute Seite nicht zwischen Israel und Palästina. So sehr sich auch jede Fraktion im Recht sieht, und sich legitimiert fühlt, die jeweils andere Position anzugreifen, diese Haltung reproduziert und verlängert nur die Kriegslogik.
Wenn wir „Krieg“ als Begriff annehmen, der den Kampf zweier oder mehrerer Interessen um patriarchale Macht mit unterschiedlichen Herrschaftskonzepten versteht, dann ergibt es keinen Sinn uns irgendeinem Krieg positiv zuzuordnen. Die jeweiligen Kriegsparteien versuchen im Sinne ihrer Mittel und Ideologien zu polarisieren und ihr Anliegen als heilige Sache auszugeben. Es gibt keinen gerechten Krieg. Es ist eine der Kriegslogiken, nur „Gut“ und „Böse“ zuzulassen und jede Abweichung zu zermahlen. Am Ende gewinnt das Patriarchat.
So ist sexualisierte Gewalt auch zu Beginn des Afghanistankrieges nur einer der Legitimationsgründe für das eigene kriegerische Eingreifen gewesen und wird nicht als das benannt, was sie ist, nämlich die am weitesten verbreitete Gewalt von Männern!
Auch im Jugoslawienkrieg waren dies unter anderem Legitimationsgründe des Eingreifens. Dabei sind es Männer (Warlordstrukturen, NGO’s und Soldaten aller Nationen), die von der Prostitution und dem Frauenhandel profitieren.
Indem wir die Entwaffnung von Herrschaft politisch wie praktisch denkbar machen, brechen wir mit dem Verhaftet-bleiben in polarer Kriegslogik.
(Dies schließt Modernisierungsvertreter(Innen) und kleine patriarchal dominierte Strukturen im linken Gewand mit ein. Wenn Globalisierungsgegner(Innen) oder Antikriegsgruppen das Geschlechterverhältnis ausblenden zielt ihr Widerstand nicht auf Entmachtung von Herrschaft, sondern Modernisierung derselben. Waren es doch gerade diese „linken, fortschrittlichen“ Kräfte, die um der Macht willen Herrschaft immer wieder modernisiert haben.)
Für die Entwicklung eines alltäglichen Widerstandes ist es eine wichtige Frage, inwieweit wir uns gegen den Gegner aufrüsten, eine Militarisierung unserer Auseinandersetzungen in Kauf nehmen und damit in der patriarchalen Logik gefangen bleiben, weil es um „Durchsetzen, Sieg und Eroberung“ geht. Oder ob wir versuchen, soziale Prozesse in Gang zu bringen, die Machtstrukturen zu zersetzen und auflösen können und im Rahmen dieser politischen Bestimmung die Gewaltfrage und Anwendung von Militanz definieren. Wir sehen also aktuell keine Alternative zu der Parole „Gegen jeden Krieg“. Es geht weder darum, sich einer der Mächte zuzuordnen, noch eine eigene Macht stark zu machen, die in die patriarchale Logik einsteigt, sondern die Zerstörung jeglicher patriarchaler Herrschaftsformen anzustreben und jenseits der ausgemachten Kriegspolarisierung nach Verbündeten Ausschau zu halten.
Entnommen aus Tuntentinte Nr. 21.