Werden die neuen Reproduktionstechnologien Frauen in die Lage versetzen, mehr Kontrolle über ihr reproduktives Leben auszuüben? Dies ist eine Frage, die in der öffentlichen Diskussion über die Technologien in den USA und Kanada oft von Frauen gestellt wird. Ich kann sie in fünf Sekunden beantworten. Aber ich möchte euch etwas im Ungewissen lassen.
Ich möchte verdeutlichen, daß sich die Reproduktion in einem Prozeß der Industrialisierung befindet. Männer eröffnen den „Reproduktiven Supermarkt“. Unter den Firmen, die reproduktive Dienstleistungen anbieten, gibt es solche, die Technologien zur Geschlechtsvorherbestimmung anbieten (Gametrics, Inc.), Firmen, die Embryonen aus Frauen herausspülen, um sie dann anderen Frauen wieder einzusetzen (Fertility and Genetics Research, Inc.), ganze Ketten von In-vitro-Fertilitäts-(IVF)Kliniken (In Vitro Care, Inc. (…) Ivf Australia Pty. Ltd.) und Firmen, die den Verkauf von sog. Leihmüttern anbieten (Reproductive Freedom International).
Fabrik-Fließband-Prinzip der Zeugung
Ein Aspekt der Industrialisierung der Reproduktion ist die Anwendung des Fabrik-Fließband-Prinzips auf die Zeugung. Dies begann mit der Geburt. Ärzte verlegten die Geburt an ihren Arbeitsplatz – ins Krankenhaus.
Effizienz ist das Schlüsselwort in der Geburtsfabrik. Um den Bedürfnissen der Fabrik zu entsprechen, sollen Frauen während der Dienstzeiten, Montag bis Freitag von 9-17 Uhr, gebären. Einige Ärzte haben nicht nur die „Tageszeit-Geburtshilfe“ praktiziert, d.h. die künstliche Einleitung der Wehen im Interesse ihrer Bequemlichkeit, sondern dies auch offen verteidigt (vgl. Corea 1979). Es liegen ebenfalls Beweise dafür vor, daß Kaiserschnitte, die in den USA eine skandalös hohe Rate erreicht haben, durchgeführt wurden, um die Geburt den bevorzugten Arbeitszeiten der Ärzte anzupassen.
Nun wird aber nicht nur die Geburt, sondern bereits auch die Empfängnis von Kindern industrialisiert und effizient gestaltet. Dies bedarf der Kontrolle des Eisprungs. Überläßt man Frauen sich selbst, neigen sie dazu, ihren Eisprung zu Zeiten zu bekommen, die für die Eiergräber unbequem sind. Robert Edwards, Laborvater des ersten Retortenbabys, begegnete diesem Problem schon früh in seiner Karriere. Er mußte Nachtschichten einlegen, da die Mäuse erst nach Stunden ovulierten. Dies beeinträchtigte sein Privatleben und ärgerte ihn. Er kam auf die Idee, daß die Eierstöcke der Mäuse sich möglicherweise „überreden ließen, ihre Eier während der Dienstzeit heranreifen zu lassen“, mit einer speziell zubereiteten hormonellen Mischung. Er injizierte Mäusen Hormone und produzierte eine „Ovulation nach Maß“, wie er es nannte (Edwards / Steptoe). 1987 haben die neuen Industriellen eine „Ovulation nach Maß“ für Frauen eingerichtet. Dr. J. R. Zorn und seine Mitarbeiter im Baudelocque IVF-Centre in Paris gaben bekannt, daß eine zeitliche Planung es ermöglicht, IVF-Programme so zu organisieren, daß fast alle Frauen von Montag bis Freitag ovulierten. Nur 3 von 124 Frauen hatten ihren Eisprung am Samstag und keine am Sonntag (OGN, 15. Juni 1987). Zwischen 1983 und 1986 fanden bei der konventionellen Eierstockstimulation 27% der Eizellenentnahmen am Wochenende statt.
Aber sogar diese rationalisierte Eizellentnahme ist relativ ineffizient. In jedem Monat gibt es nur drei Stunden, in denen die Entnahme optimal befruchtungsfähiger Eizellen möglich ist. Wissenschaftler entwickeln jedoch Möglichkeiten, Eizellen bis zum befruchtungsfähigen Zustand im Labor (ähnlich wie im Eierstock) reifen zu lassen. „Technodocs“ können dann die Eizellen kontinuierlich gewinnen.
Ein Forscher des University College, Dublin, erntet schon unreife Eizellen aus den Eierstöcken von Rinderkadavern im Schlachthof und läßt sie im Labor heranreifen. Die befruchteten Eizellen lässt er dann bis zum Morula-Stadium heranwachsen (vgl. Vine).
Bei der Züchtung der Eierstöcke im Labor benötigen die Industriellen keine Frauenkörper mehr, um Eizellen und Embryonen zu gewinnen. Ein Wissenschaftler sieht für die ferne Zukunft voraus, daß es möglich sein wird, ein Stück aus dem menschlichen Eierstock, mit hunderten von Eizellen, herauszuschneiden: „Indem man die unreifen Eizellen, die von solch einem Stück gewonnen werden können, heranreifen läßt und sie dann einfriert, kann die Frau zu einem selbstgewählten Zeitpunkt schwanger werden, einfach durch das Einführen einer befruchteten, reifen Eizelle in ihren Uterus.“ (Kramer)
Sind die Eizellen erst einmal reif, so daß Embryonen aus ihnen erzeugt werden können, verlangt der industrielle Prozeß nach einer Qualitätskontrolle des Embryos. Forscher entwickeln Screening-Verfahren, die es ihnen erlauben, Embryonen mit unerwünschtem Geschlecht oder Qualität auszurangieren. Zwei britische Arbeitsgruppen waren unlängst erfolgreich bei der Geschlechtsbestimmung und entdeckten erblich bedingte Krankheiten in gerade befruchteten Eizellen. So hat das IVF-Team der Universität von Edinburgh einen Test erfunden, der eine kommerziell nutzbare Gensonde zur Bestimmung des männlichen Y-Chromosoms bei vier bis achttägigen Embryonen verwendet (vgl. Nature).
Präimplantationsdiagnostik
Forschungserfolge an Tierembryonen haben viele Ärzte überzeugt, daß sie nun mit der „Präimplantationsdiagnose von genetisch bedingten Krankheiten“ beginnen können. Studien in England haben gezeigt, daß embryologische Techniken existieren, die es ermöglichen, Proben von menschlichen Embryonen ohne Beschädigung zu entnehmen. Molekulargenetiker glauben auch, daß sie die Methode der DNA-Analyse an Hand einiger weniger Zellen fast perfektioniert haben (vgl. Scientist).
Robert Edwards geht davon aus, daß der beste Weg zur Gewinnung von Embryonen für diagnostische Zwecke das Herausspülen aus dem Uterus sei. Dr. John Buster, der mit Kollegen eine Methode für eine solche „intrauterine Spülung“ entwickelte, hat bereits seinen Forschungsschwerpunkt von Unfruchtbarkeitsbehandlungen auf Präimplantationsdiagnosen verlagert. Er arbeitet gegenwärtig mit einem Genetiker zusammen, um seine Technik mit gentechnologischen Analysen zu verbinden. „Es gibt kaum eine logischere Hochzeit auf der Welt“, sagt er in der Zeitschrift Medical Tribune (vgl. Ince).
Zurück ins Jahr 1985: Ein US-Pionier im Einfrieren von Embryonen hat darauf hingewiesen, daß bei der genetischen Präimplantationsdiagnose tiefgefrorene Embryonen aufgetaut und dann überprüft werden könnten. Dies könnte die endgültige Familienplanung sein, die es Frauen ermöglicht, Embryonen einzufrieren und sich dann sterilisieren zu lassen. Wie einige seiner Kollegen erklärten, könnten Frauen mit der Sicherheit, daß sie jederzeit ein gesundes Kind durch IVF bekommen könnten, bedenkenlos ihre Eileiter durchtrennen lassen und dadurch Jahre lästiger Verhütung vermeiden (vgl. Corea 1986).
Damit wären die meisten – nicht nur die unfruchtbaren – Frauen Kandidatinnen für IVF. Frauen würden routinemäßig sterilisiert werden. Ärzte könnten dann Kinder fabrizieren, indem sie den Frauenkörper als Rohmaterial für den Herstellungsprozeß benutzen. Die hergestellten Kinder wären besser als die von Frauen geborenen, da Qualitätskontrolle bei den Embryonen vorgenommen und angeblich nur „gesunde“ Babys geboren würden.
Ist der Embryo erst einmal in der Laborschale, kann er nicht nur untersucht, sondern künftig auch manipuliert, d.h. genetisch verändert werden. Beim Treffen der amerikanischen Fertilitätsgesellschaft 1984 erwähnte ein Arzt potentielle Gentherapien für „unseren kleinsten Patienten“, den Embryo.
Präkonzeptions-Beratung
Qualitätskontrolle bei der Kinderproduktion sollte eigentlich schon vor der Befruchtung beginnen. In den letzten zwei Jahren gab es eine Flut von Artikeln in der Zeitung Obstetrics and Gynaecology News (Ob. Gyn. News) über eine neue ärztliche Dienstleistung-Präkonzeptions-Beratung (Beratung vor der Befruchtung). Edward T. Bowe, ein Befürworter dieser neuen Methode, stellt fest, daß folgende Punkte für die Planung einer Schwangerschaft wichtig sind: Krankheitsgeschichte des Vaters, Umgang mit Schadstoffen am Arbeitsplatz, Alter der Mutter, Rasse, sozioökonomischer Status und Ernährungszustand, sowie ihre Krankheitsgeschichte, therapeutischer Gebrauch von Drogen oder Drogenmißbrauch und Kontakt mit DES (Diethylstilbötrol) als Embryo/Fötus. Die Impfungen, bzw. der Immunstatus der Mutter und der genetische Hintergrund beider Partner, einschließlich des Auftretens von vererbbaren Krankheiten in der Familie, sollten soweit wie möglich vor einer Befruchtung festgestellt werden (vgl. OGN, 15. April 1987).
Dr. Thomas A. Leonard merkt an, daß die Vorsorge vor der Befruchtung gesündere Kinder produzieren kann. Frauen über 35 sollten auf das zusätzliche, altersbedingte Risiko hingewiesen werden. Auf Alkoholismus, Rauschgiftabhängigkeit und Rauchen muß bei einer Präkonzeptions-Beratung geachtet werden. Genetische Beratung ist notwendig, wenn irgendeine Auffälligkeit in einer der beiden Familien bekannt ist (vgl. OGN, 1. Mai 1987). Angenommen, es wird festgestellt, daß eine Frau in einer Fabrik mit gefährlichen Chemikalien gearbeitet hat. Wird ihr dann gesagt, daß ihre Eizellen wahrscheinlich von den Chemikalien geschädigt sind und daß sie, um die Gesundheit ihres Kindes zu sichern, eine Eispende und IVF benutzen soll? Dr. Jacobson, mit dem ich 1980 ein Interview geführt habe, glaubt, daß dies für viele Frauen zutrifft und sich die Zahl entsprechend dem wachsenden Wissen über die Auswirkungen von Arbeitsplatzgiften auf das Eizellwachstum noch erhöhen wird.
Mit der Verbreitung der Präkonzeptions-Beratung könnten Frauen soweit kommen, daß sie es für unverantwortlich halten, ein Kind zu Hause ohne medizinische Überwachung zu zeugen, genauso wie es heute viele Frauen als unverantwortlich empfinden, Kinder zu Hause zu gebären. Sie werden sich schuldig fühlen, wenn sie nicht täglich ihre Temperatur messen und ihre Temperaturtabelle dem Arzt zeigen. Sie werden sich schuldig fühlen, wenn sie ihre eigenen schlechten Eizellen zur Fortpflanzung benutzen, anstatt die besseren Eizellen zu nehmen, die ihnen die Ärzte aus ihrem Labor anbieten.
Erweiterung des „Reproduktiven Supermarktes“
Die neuen Reproduktionstechnologien können durch Kombination untereinander für die effizienteste Produktion von Kindern nach gewünschten Spezifikationen genutzt werden. Dies verdeutlicht die Leihmutterindustrie, wie folgende gängige Fälle von sog. „Leihmüttern“ zeigen:
- Patty Foster – Leihmutterschaft in Kombination mit Geschlechtswahl: Fosters Spermaspender ordnete an, daß sein Sperma nach männlich und weiblich getrennt und Foster nur mit dem männlichen Sperma inseminiert wurde.
- Mary Beth Whitehead – Leihmutterschaft kombiniert mit Aminozentese: Von Whitehead wurde eine Aminozentese als Qualitätskontrolle des Produktes verlangt. Sie leistete Widerstand – erfolglos. (Der Vertrag verlangte von ihr eine Abtreibung, wenn die Untersuchung zeigte, daß das Produkt nicht dem gewünschten Standard entsprach.)
- Pat Anthony – Leihmutterschaft mit IVF: Frau Anthony, einer 48-jährigen Südafrikanerin, wurden 4 Eizellen implantiert, die von ihrer Tochter entnommen und mit dem Sperma ihres Schwiegersohns inseminiert wurden. Am 1. Oktober 1987 wurde sie mit Kaiserschnitt von Drillingen entbunden. Anthonys Tochter, die bereits ein Kind hat, wurde als Folge einer gynäkologischen Operation der Uterus entfernt. Während der Schwangerschaft sagte der Schwiegersohn: „Ich bin begeistert darüber, daß meine Schwiegermutter meine Kinder gebären wird.“ (The Australien, 4. Juli 1987; McIntosh).
- Laurie Yates – Leihmutterschaft mit Superovulation: Offenbar wurde sie nicht schnell genug schwanger, ob nach Meinung des Arztes oder des Kunden ist nicht bekannt. Sie war als Fabrikationsbetrieb nicht effizient genug.
- „Jane Doe“ – Leihmutterschaft mit Superovulation: Zwischen ihrem 14. und 25. Lebensjahr hatte Jane Doe neun Schwangerschaften, fünf davon endeten mit einer Fehlgeburt. Laut Doe war der Arzt, der sie im Auftrag der Leihmutter-Agentur untersucht hat, nicht beunruhigt, als er von den neun Schwangerschaften hörte. Im Gegenteil, er sagte: „Gut, Sie sind wirklich fruchtbar.“ Da sie ein Kind stillte, hatte sie keinen Eisprung, weswegen der Arzt sie mit Hormongaben superovulierte (Sharpe).
- Shannon Boff – Leihmutterschaft mit IVF: Eine Eizelle wurde einer unfruchtbaren Frau entnommen, im Labor mit dem Sperma des Ehemannes befruchtet und dann in die Gebärmutter von Shannon Boff übertragen. (Die Ehefrau hatte keinen Uterus, nachdem sie bei einer IVF-Behandlung in England schwanger wurde, eine Fehlgeburt erlitt und infolgedessen ihre Gebärmutter entfernt wurde.)
- Alejandra Munoz – Leihmutterschaft verbunden mit Embryospülung: Munoz, eine 21-jährige Mexikanerin, wurde illegal über die Grenze gebracht, um ein Kind für einen Mann in Kalifornien zu produzieren. Ihr wurde erzählt, daß sie künstlich inseminiert werden würde und daß drei Wochen später der Embryo aus ihr herausgespült und in die Gebärmutter der Ehefrau übertragen werden sollte. Ihr war das Verfahren durch die Anwendung bei Kühen auf einer Farm in der Nähe ihres Wohnortes bekannt. Einige Wochen nachdem sie schwanger wurde, wurde ihr mitgeteilt, daß die Methode nicht angewendet werden könne und sie das Kind austragen müsse. Sie wurde im Hause des Ehepaares festgehalten, da die Ehefrau plante, das Kind als ihres auszugeben. Bei Besuchen der Familie des Ehemannes trug die Ehefrau Schwangerschaftskleidung über einem kleinen Kissen. Für Munou, die nur einen Aufenthalt von einigen Wochen geplant hatte, endete er mti einer großen Operation – einem Kaiserschnitt. Ihr wurden 1500 US-$ geboten – weit unter den ausbeuterischen Gebühren von 10.000 US-$, die im allgemeinen weißen, angloamerikanischen Frauen geboten werden.
Harvey Berman, der Rechtsanwalt von Alejandra Munoz, entschied sich während des Falles, ein eigenes Leihmuttergeschäft aufzuziehen. 1987 plante er, Leihmutterschaft mit IVF, Geschlechtswahl, Embryonenkonservierung, Embryospülung und evtl. Klonen anzubieten. Von seinen künftigen Klienten sagte er: „Daß Leute sicher sein wollen, was sie kriegen werden, und dazu bereit sind, gegen die ‚Naturgesetze‘ zu verstoßen, damit sie von vornherein ein Produkt bekommen, das sie sich ausgesucht haben – das finde ich nicht per se schlecht.“
Viele Fragen – eine Antwort
Ich möchte einige der wichtigsten politischen Fragen, mit denen wir es hier zu tun haben, stellen: Ist reproduktive Sklaverei für Frauen akzeptabel? Sollen wir eine Klasse der bezahlten Brüterinnen schaffen und die Frauen als „Leihmutter-Uterus“ bezeichnen, wie Dr. Lee Salk es bei seiner Aussage im Baby-M-Prozeß getan hat, oder als „alternatives Reproduktionsvehikel“, wie Harvey Sorkow in seinem Baby-M-Urteil, oder als „therapeutische Modalität“, wie die amerikanische Fertilitätsgesellschaft unlängst in ihrem Ethikbericht?
Können wir von Frauen verlangen, daß sie ihre Kinder zu Gesprächen mit den Klienten mitbringen, damit diese sehen können, was für ein Produkt sie kaufen? Ist es in Ordnung, Kataloge mit Bildern von Frauen, die zur Züchtung zur Verfügung stehen, mit ihren Körper- und Lebensdaten und verschiedenen Reproduktionsleistungen zusammenzustellen, wie John Stehuras „Leihmutter-Klitsche“ in Kalifornien?
Können wir Frauen superovulieren, sie mit starken Hormonen vollpumpen, so daß ihre Eierstöcke (die nun Eierfabriken sind) effizienter produzieren? Können wir sie dann auf einen Tisch legen und sie mit Männer-erzeugendem Sperma inseminieren und später während der Schwangerschaft wieder auf einen Tisch legen und ihr eine Nadel in den Unterleib stoßen, um den Qualitätstest beim Fötus vornehmen zu können? Soll der Spermaspender während der Geburt am Kopf der Frau stehen und die unfruchtbare Ehefrau bei ihren gespreizten Beinen, wie es kürzlich von einem Spermaspender in der Zeitschrift „Newsweek“ beschrieben wurde?
Wenn sich eine Frau weigert, das Kind herzugeben, können wir dann fünf Polizisten in ihr Haus schicken, um das Kind zu holen, während der Spermaspender draußen im Auto wartet? Können wir Frauen in Handschellen abführen, wie es die fünf Polizisten mit Mary Beth Whitehead getan haben? Können wir sie in einen Streifenwagen werfen, während ihre Nachbarn zuschauen und ihre 11-jährige Tochter schreit und den Spermaspender und seine Ehefrau anbettelt, doch damit aufzuhören? Ist es problematisch, wenn man eine Frau so behandelt?
Wir müssen fragen, wie Frauen die Industrialisierung der Befruchtung erleben. Mögen sie Fließband-IVF? Es fragt zwar kaum jemand, dennoch haben wir Hinweise. Frauen empfinden es als entmenschlichend.
Laßt mich nun zur Frage zurückkommen, die ich am Anfang gestellt habe: Werden die neuen Reproduktionstechnologien Frauen in die Lage versetzen, mehr Kontrolle über ihre Fortpflanzungsfähigkeit auszuüben?
Ich will die Frage neu formulieren: Wenn Frauen vollständig auf reproduktives Fleisch reduziert worden sind, werden wir noch die Kontrolle über unser Leben haben? Wenn wir nichts mehr sind als Rohmaterial für den neuen industriellen Prozeß, sind wir dann frei? Wenn Frauen beliebig austauschbare Teile in der Geburtsmaschine sind, sind wir dann befreit?
Nun kann ich die Antwort in fünf Sekunden geben: NEIN.
Literatur
The Australian, 4. Juni 1987, „Woman to give birth to her grandchildren.“
Corea, Gena, „Childbirth 2000“, Omni, 1979.
Corea, Gena, Die Muttermaschine, Berlin 1986.
Edwards, Robert G. / Patrick Steptoe, A Matter of Life, New York 1980.
Ince, Susan, „Prenatal testin in embryo dawns“, in Medical Tribune, 4. November 1987.
Kramer, Michael, „Last chance babies: the wonders of in vitro fertilization“, New York Times, 34-42, 12. August 1985.
McIntosh, Philip, „Experts warn of complications for surrogate grandmother“, in The Age, Melbourne, Austral., 4. Juli 1987.
Nature, „Sex of new embryos known“, S. 547, 18. Juni 1987.
New Scientist, „New insights into early embryos“, S. 22-23, 9. Juli 1987.
OGN, Ob. Gyn. News, „Preconception counseling is ‚as important as prenatal care'“, 22(8):10, 15. April 1987.
OGN, „Preconception counseling emerging as adjunct to obstetric care“, 22(13):5, 1. Mai 1987. Siehe auch 15. Juni 1987.
Sharpe, Rochelle, „Surrogate sues lawyer over death of newborn“, in Gannett News Service, 1986.
Vine, Gail, „Better ways of breeding“, in New Scientist, 13. August 1987.