Zweifel wurden mit den Wolken über den grasbewachsenen Hügel und hinunter zur Weide geweht, unter der das Kind an den Nachmittagen spielte. Die Hexenstunde war gekommen, das Kind immer noch wach, folgte diesen Zweifeln hinter die Reihen verlassener Häuser bis an die Kreuzung, an der der Bus am Morgen hielt, um sie alle mit sich zu nehmen.
Ein Schatten flog zum Fenster hinein und legte sich über das Bett. Der Wind draußen verstummte, aber eine kleine Brise im Raum selbst schien das Haar des Kindes zu zerzausen und seine Wangen zu umstreichen. Als das Kind einschlief, neigte sich der Schatten zu seinem Ohr und flüsterte ihm eine Gutenachtgeschichte zu:
Kind unter diesem goldenen Dach, gerade du weißt, was es heißt kein Zuhause zu haben. Es ist das Schicksal der einen in dieser Welt entwurzelt zu sein und das von anderen keine Wurzeln zu haben. Das ist die Geschichte derer, die keine Wurzeln haben. Deine Knochen kennen die Geschichte bereits, obwohl dein Verstand sie noch nicht versteht. Eines Tages, in einer Welt, die erwacht, wird diese Geschichte zu dir zurückkehren.
Manche sagen, es begann mit den Römern, mit ihren neuen Formen der Kriegsführung, ihrer Zivilisation und Sklaverei. Aber die Wahrheit ist, wir können uns nur selbst verantwortlich machen. Bereits bevor die Südstaatler kamen, hatten wir die erste Schlacht verloren. Wir haben den Krieg gewählt und leben seither im Krieg.
Es war ein kleiner Fehler, aber wir waren es, die unserem Feind das Tor öffneten. Wir können diesen Fehler noch immer rückgängig machen, aber die Zeit dafür läuft ab.
Unser Fehler war, dass wir aufhörten, den Frühling zu feiern. Wir ließen zu, dass sich die Stille des Winters über das ganze Jahr ausbreitete. Die Zeit des Jahres, in der wir uns unserem Inneren zuwandten, dehnte sich auf unser gesamtes Leben aus. Wir wendeten uns voneinander ab und langweilten uns mit uns selbst. Wir kümmerten uns weniger um das, was draußen in der Welt passierte. Also machten wir die Empfindsamen unter uns zu Priestern und baten sie, uns die Mysterien zurückzubringen, anstatt selbst nach ihnen zu suchen. Wir machten unsere Kriegsführer zu Anführern in unserem Alltag: Natürlich musste unser Alltag zu einem schieren Krieg werden! Wir begannen uns vor unseren eigenen Abenteuern zu fürchten und baten die Anführer darum, uns mit ihren faden Kriegen zu unterhalten.
Wir verfielen der Routine. Das Leben bestand nicht mehr im Werden, sondern nur noch im Sein. Die Frauen wendeten sich ihren Fruchtbarkeitskulten zu, indem sie das unendliche Netz aus Mysterien mit der Faszination über das eine, das noch immer in ihre Leben passte, ersetzten: wenn aus einem zwei werden. Die Männer, eifersüchtig über ihren Ausschluss von der Möglichkeit des Erschaffens und dumm genug zu glauben, dass sie jemals vom Erschaffen ausgeschlossen werden könnten, widmeten sich ihren destruktiven Sportarten und dem Krieg. Der Krieg gegen die Frauen begann als nur ein weiteres Spiel, ein weiterer konkurrierender Raubzug.
Diese kleinen Kriege wurden zu unserem Zeitvertreib und die Jahre verstrichen, ganz so als wären wir in einem kleinen Haus gefangen, in dem wir die Tage bis zur Tag-Nacht-Gleiche zählten.
Auf einen Frühling wartend, den wir nie willkommen geheißen haben. Aber der Frühling muss willkommen geheißen werden, oder er wird niemals kommen. Für den Zuschauer endet der Winter niemals. Der Frühling ist ein Aufstand. Ein Hammer, der die Mauern der Samenhülsen zerschlägt, eine Knospe, die die Eisdecke zerbricht. Eine erotische Begegnung, die die Besinnlichkeit des Winters zerschmettert und all die alten Ordnungen durch den ungezähmten Zusammenprall und das Wachstum von Körpern durcheinander bringt.
Das ist der Grund, warum wir am Ersten Mai feiern.
Ein Volk, das den Frühling willkommen heißt, wird niemals irgendwelche Könige kennen.
Als die Römer kamen, übertrumpften sie all unsere kleinen Spiele. Unsere Raubzüge und Fruchtbarkeits-Kunststückchen waren Kinderspiele verglichen mit ihrem Gemeinwesen und ihrer Wirtschaft. Ihre Besinnlichkeit war viel durchdachter als unsere. Ihre Stille sehr viel lauter als die unsere. Ihre Winter brauchten nicht einmal Kälte.
Wir sahen, dass sie das Spiel der Eroberung perfektioniert hatten und wir beneideten sie. In unseren eigenen Augen, wurden wir zu den Barbaren vor den Toren. Hermann, der die Legionen auf dem Waldweg schlug, hatte unter ihnen studiert. Wir waren nicht die Sklaven, die rebellierten, sondern der junge Prinz. Am Ende waren wir diejenigen, die Rom plünderten, aber nur deshalb weil wir dachten, es zu übertreffen.
Als die Christen kamen, haben einige von uns ihren Gott übernommen, weil Er ein Gott der Eroberung war, ein eifersüchtiger Gott, der nach unserem Bilde geschaffen worden war. Ein Gott, der besser zu diesem Krieg passte. Als sie begannen, die heiligen Orte zu zerstören, die Bücher zu verbrennen, die heiligen Haine abzufackeln, gab es schließlich jene, die unseren Fehler erkannten. Wir erhoben uns. Wir kämpften mit jenen, die gegen die Legionen und die Sklavenhalter kämpften, jenen Prinzen, die darum kämpften, Könige zu werden und wir marschierten gen Rom.
Aber wir hatten nicht verstanden, wer wir sind. Wir dachten, dass ohne die Römer auch ihre Geometrien verschwinden würden. Aber diejenigen, denen wir in den Krieg folgten, trugen sie in ihrem Herzen. Wir dachten, dass sie unsere Leute wären, weil sie die gleiche Sprache sprachen, aber im Geheimen sprachen sie die Sprache der Eroberung. Wir dachten, dass sie unsere Leute wären, weil sie die gleichen Götter feierten, aber im Geheimen hatten sie vor dem Gott der Eifersucht niedergekniet. Wir dachten, dass wir Rom zerstört hätten, aber tatsächlich haben wir es überall hingebracht.
Das ist der Grund, warum wir am Ersten Mai spotten.
Vor allem verspotten wir uns selbst für diesen Fehler, der uns noch immer verfolgt.
Seit diesem Tag war es unsere Aufgabe zu lernen, wer wir sind.
Weil es nicht unser Kampf war, dem wir uns anschlossen. Die Kriegsführer und ihre engsten Vertrauten spielten noch immer ihre Spiele, aber wir konnten das nicht sehen, weil sie schon seit langem aufgehört hatten, zu lachen. Sie waren wie der Bauer, der seinen Rübenkeller überprüft, die Tage bis zum letzten Frost zählt, die schwindenden Vorräte abwiegt, die Mathematik in seinem Kopfe frisst. In ihrer permanenten Besinnlichkeit sahen sie, dass die Römer schwächer geworden waren und die Zeit gekommen war, sie anzugreifen und ihr Spiel zu übernehmen.
Rom konnte nicht zum Laufen gebracht werden. Eine Reihe Kriegsführer gab vor es zu plündern und versuchte fleißig seine Geometrien wiederzubeleben, aber es gab immer einen weiteren Kriegsführer, der begierig darauf war, sich auszuprobieren und das Ganze fiel in sich zusammen.
Für tausend Jahre herrschte ein unbehaglicher Waffenstillstand vor. Die Sklaverei Roms war vorbei, aber ein bösartiger Kompromiss hatte sich an seine Stelle geschlichen. Die Kriegsführer, die uns zum Sieg geführt hatten, gaben die Hälfte der Größe, die sie den Römern entrissen hatten, zurück und verteilten sie unter uns. Sie behielten die andere Hälfte für sich und wurden von Anführern zu Herren. Auf den Ländereien der Römer wurde den Dienern gesagt, dass sie frei wären. Das Land war nicht länger ihr Gefängnis, sondern ein Vertrag zwischen ihnen und den neuen Herren. Sie konnten leben, wie sie wollten, solange wie sie den Zehnten der Ernte abgaben, um ihre Befreier und die Armeen, die sie beschützten zu bezahlen. Ein Kompromiss zwischen Herr und Bauer. Eine neue Entsprechung für etwas, das Freiheit genannt wurde.
Caesar war nicht tot. Es gab nun tausende Caesars. Und die Kirche wahrte den Frieden unter ihnen.
Die Priester kamen über uns. Sie lehrten uns, unsere Körper zu hassen. Sie lehrten uns, den Wald, die Berge, die schwarze Nacht zu fürchten. Sie monopolisierten die Magie und vermählten sie mit der Zeremonie.
Viele freie Gemeinschaften blieben, und blieben den alten Lebensweisen treu, aber eine nach der anderen wurden erobert, verjagt, dem Erdboden gleich gemacht. Die Prinzen boten uns Schutz, aber sie waren diejenigen, die den Krieg brachten. Niemand konnte sich gegen sie auflehnen, außer indem man sich mit einem anderen von ihnen verbündete. Die Prinzen wurden als erste zur Kirche bekehrt. Um uns glauben zu machen, wir wären gleich mit ihnen, und sich zugleich als göttlich darzustellen, brachten sie ihren Leibeigenen die Religion.
Es gab Ketzer, aber tausende von uns wurden ins Feuer geworfen. Die meisten unserer Erinnerungen wurden verbrannt. Die Stimme wurde durch Papier ersetzt und es herrschte eine noch größere Stille. Alle Geschichten, die nicht in ihrem einen Buch standen, wurden verbannt. Erinnerung an Magie, Heilung, daran mit dem Wald zu sprechen, an unsere Ursprünge, Erinnerungen an die Zeit, als wir alles teilten und nichts besessen wurde, wurden unterdrückt.
So zerstörten sie unsere Wurzeln,
Das ist der Grund, warum wir am Ersten Mai Geschichten erzählen.
Geschichten von unseren Leben, unseren Kämpfen, der Zukunft, die wir ersehnen, einer Vergangenheit, die wir erfinden, weil wir uns nicht länger an sie erinnern.
In einem Jahr wurde ihr ganzes Spiel beinahe von einer simplen Kraft der Natur über den Haufen geworfen. Eine Krankheit breitete sich in den dicht bevölkerten Städten und dem hungernden Land aus und nur wenige hatten die Kraft, sie zu überstehen. Jede dritte Person verstarb. Die Prinzen und Priester hatten die größten Probleme durch den Verlust ihrer Subjekte. Körper in ihrem Dienst wurden zum kostbarsten Gut und sie entdeckten schnell, dass sie keine Kontrolle über die Produktion von Körpern besaßen. Die Mütter und Hebammen schon. Was wenn diese entschieden, das Wachstum der Nation aus ihren eigenen, persönlichen Gründen zu sabotieren? Es gab sogar einige, die erklärten, dass sie keine Kinder als Sklav*innen in diese Welt bringen würden.
Verhütung und Schwangerschaftsabbrüche wurden zu den schlimmsten Verbrechen und Sünden. Liebe war nur erlaubt, wenn sie Kinder gebar. Die Christen hatten Frauen, die Frauen liebten und Männer, die Männer liebten, immer schon gehasst, aber nun wechselten sie davon, ihren Hass zu predigen, dazu ihn am Galgen zu vollstrecken.
Hebammen wurden verdrängt, wo immer es sich die Prinzen leisten konnten. Die Entscheidungen der Mutter, denen mistraut wurde, wurden mit der Loyalität der Ärzte verworfen. Die größte Ketzerei war, dass Menschen von ihren eigenen Körpern lernen konnten. Das einzige Lernen, dem in der Zukunft getraut wurde, war die Bildung in den Schulen und den neuen Universitäten. Und all die Experten, die sie produzierten, waren sich selbst regulierende Verschwörungen. Man durfte nur praktizieren, wenn man dem Berufsstand beitrat und man konnte dem Berufsstand nur dadurch beitreten, dass man das Training an den Universitäten absolvierte, und man konnte das Training nur dadurch absolvieren, dass man die Ziele der Prinzen umsetzte, die diese Universitäten finanzierten.
Im Interesse die Subjekte am Leben zu erhalten, wurden Hebammen als Krankenschwestern behalten, weil die neuen Ärzte alleine unfähig waren. Aber sie hatten Erfolg damit, die Körper in ihrer Verantwortung mit einer eisernen Disziplin zu regieren. Die Welt vor diesen Ärzten war stumm und witzlos. In ihren Köpfen war Krankheit nicht ein Versuch zu kommunizieren, und Körpern konnte nicht zugetraut werden, sich selbst zu heilen. Krankheit war etwas, das verortet, benannt und herausgeschnitten werden musste. Mit der Zeit wurde selbst die Erfahrung von Lust als Krankheit klassifiziert.
Das ist der Grund, warum wir den Ersten Mai mit Orgien feiern.
Um von unseren eigenen Körpern zu lernen.
Um zu zeigen, dass Lust mit jeder*m, den*die wir erwählen, geteilt werden kann.
Um die Sehnsüchte anderer zu respektieren und Freude in ihrer Befriedigung zu erfahren.
Es gab viele Revolten, viele Umstürze, aber über die Jahrhunderte wurden die Prinzen zu Königen und ihr Einfluss vergrößerte sich. Unser Joch wurde schwerer und von uns wurde erwartet, mehr und mehr Reichtum aus dem Land zu ziehen und an unsere Herren zu geben. Und diese Herren bestritten, dass es jemals eine Zeit gegeben hätte, als sie unsere Waffenbrüder gewesen waren. Sie waren anderen Blutes, mit Gott verbunden, anders als alles andere auf der verlorenen Erde. Es wurde vergessen, dass ein Leibeigner zu sein, einst als unendlich besser betrachtet wurde als ein Sklave zu sein. Es gab weniger und weniger Unterschiede.
Dennoch mussten die Herren mehr und mehr Blut aus der Erde herausquetschen. Sie wandten sich weit entfernten Ländereien zu und sie nannten die Menschen, die sie trafen, “Sklaven”. Aber dies war eine grausamere Sklaverei als alles, was die Römer jemals verschuldet hatten. Während ihr Gott den menschlichen Körper verachtete, so hasste Er die bloßen Seelen der Sklav*innen.
Sie bedurften unserer Hilfe in diesem neuen Eroberungskrieg und vor allem mussten sie unsere Abtrünnigkeit verhindern. Also erzählten sie uns, dass wir weiß wären, was unveränderlich verschieden davon war, schwarz zu sein oder ein*e Wilde*r. Die Herren und ihre Priester, Polizisten und Entdecker konnten nicht schnell genug neue Käfige bauen, also erschufen sie Kategorien und lehrten uns, dass wir in diese hineingeboren worden wären und niemals aussuchen könnten, wer wir sind. Und wer wir waren, war eine Armee, mobilisiert, um all jene anzugreifen, die noch immer Wurzeln in dieser Welt hatten.
Das ist der Grund, warum wir den Ersten Mai mit Visionen feiern.
Um zu sehen, dass Magie überall ist,
und dass jedes Leben verändert werden kann,
dass alle Kategorien unangemessen sind.
In diesen Jahren kämpften wir gegen sie in vielen Kriegen. Wir verbrannten Herren und Priester, wir liefen zusammen mit Wilden weg, wir warfen Kapitäne über Bord. Und sie antworteten, indem sie ihren Krieg gegen uns intensivierten. Sie verbrannten Millionen dafür, heilige Pflanzen benutzt zu haben, geheilt zu haben, mit dem Wald gesprochen zu haben, sich mit den alten Göttern vereinigt zu haben, sich geweigert zu haben, weiß zu sein, dafür ihre neuen Gesetze missachtet zu haben, die besagten, dass Land nichts Treuhändisches wäre, sondern Eigentum, das Individuen gehöre und nur Männern. Und sie metzelten viele Millionen mehr der Verwurzelten, um ihr Land zu nehmen, oder um sie zu bestrafen, wenn sie sich weigerten, entwurzelt zu werden.
Und dann verschleppten sie uns alle, wohin auch immer sie uns haben wollten, sowohl wurzellose, als auch entwurzelte, zusammengemischt, geleitet nach unseren Kategorien, bis uns die Erde fremd wurde und wir einander. Sie schickten uns an die Arbeit. Sie fragten nicht länger nach einem Anteil, sondern wollten alles, unsere schiere Zeit. Es genügte nicht, das Land aufzuteilen. Sie mussten auch unser Leben in Stunden aufteilen und jeder davon einen Preis zuteilen. Sie lernten, uns darin zu töten, wie sie uns am Leben hielten. Sie lehrten uns, das Leben als eine Reihe von Zahlen zu betrachten, Freude in Wert zu verwandeln. Der Wald wurde zu Holz. Unsere Hände wurden zu Arbeitskraft. Sie beherrschten uns mit Berechnungen, die den Preis unserer Leben bestimmten, den Preis, den sie bezahlen mussten, um uns bei der Arbeit zu halten. Schließlich brachten sie uns dazu, das Leben auf gleiche Art und Weise zu betrachten.
Das ist der Grund, warum wir den Ersten Mai mit einem Festmahl feiern.
Weil Mangel ein Phantom ist, das verbannt werden muss.
Weil die einzigen Dinge, die von Belang sind, nicht gezählt werden können.
Weil wir uns selbst trotz allem, was wir durchgemacht haben, lieben
und keine Instrumente für die Ambitionen anderer sein werden.
Bei verschiedenen Gelegenheiten haben wir uns noch immer erhoben. Wir nahmen Könige gefangen und warfen sie von ihren Türmen, bombardierten ihre Kutschen oder schnitten ihnen die Köpfe ab. Aber der Krieg ging immer weiter. Mit der Zeit spalteten sich die Könige auf und vervielfachten sich in eine ganze Bandbreite an Technikern. Sie machten uns zu Zubehör der Produktion. Sie verwandelten unsere Körper in Maschinen. Die Fabriken waren das neue Modell für die Menschheit, der neue Schatz unserer Herrscher und sie verachteten uns für die Tatsache, dass ihre kostbaren Maschinen uns brauchten. Die alte Gleichung veränderte sich. Freiheit meinte nicht länger einen Kompromiss zwischen Herr und Subjekt. Sie meinte alle Macht den Maschinen und die größtmögliche Mobilität für ihre Produkte. Unsere Leben wurden dafür geopfert, dass die Maschinen am Laufen blieben.
Das ist der Grund, warum wir den Ersten Mai mit Sabotagen feiern.
Da wir den Rythmus des Lebens nicht dem Zeitplan der Getriebe opfern.
All ihre neuen Kriegstechniken konnten unsere Wut nicht löschen. Selbst in den Fabriken oder in den privaten Gefilden, in die sie die Frauen einzusperren versuchten, haben wir neue Kommunen gebildet. Große Aufstände haben die Hallen der gut maskierten Prinzen erschüttert und sie haben begonnen, diese Aufstände Revolutionen zu nennen. Sie sagten, die alten Formen der Herrschaft wären zu Ende. Sie sagten, wir seien alle frei und könnten an ihrem Projekt als Gleiche teilnehmen. Und die meisten von uns wurden getäuscht. Wie die Barbaren vor uns reagierten wir eher auf unseren Ausschluss als auf unsere Unterwerfung und haben versucht, die neuen Römer zu werden.
Aber mehr und mehr Menschen erkennen, dass dieses Projekt, an dem wir eingeladen sind, teilzunehmen, der Krieg gegen uns alle ist. Es ermöglicht uns alles außer eine Meuterei. Es hält uns am Leben, solange wir uns nicht selbst ernähren. Es erfordert nur unsere Komplizenschaft in dieser beständigen Entwurzelung und der Unterdrückung jener, die sich noch immer ihrer Wurzeln erinnern.
Sie haben unsere Freiheit zu Papier gebracht; dort kann sie besser zum Schweigen gebracht werden.
Das ist der Grund, warum wir den Ersten Mai mit Riots feiern.
Um einen Lärm zu machen, der nicht verhallt.
Um alles niederzubrennen, was nicht wahr ist.
Um das Pflaster der Straßen herauszureißen und unter ihnen die Erde zu entdecken.
Um damit zu beginnen, wieder Wurzeln wachsen zu lassen.
Dies ist deine Geschichte, Kind. Das ist der Grund, warum es scheint als hättest du alles, aber du fühlst, dass du nichts hast. Vertraue auf deine Gefühle. Betäube sie nicht mit den Pillen, die sie dir anbieten. Denn diese Gefühle von Schmerz und Wut sind dasselbe Jucken, das der Samen in den letzten Tagen des Winters spürt, bevor er aufbricht und seine Knospen hinaus in die Welt schickt. Es ist dieses Wachstum – unkontrolliert und spontan –, das sie ihrer Soldat*innen beraubt, und deshalb haben sie davor die größte Angst.
Nicht jeder ist auf dem gleichen Pfad in dieser Wüste gelandet. Aber es gibt viele, die deine Geschichte teilen. Es gibt andere, die sich noch immer ihrer Wurzeln erinnern und wissen, wo sie diese finden. Aber diejenigen, die wie du sind, wissen nicht einmal, was fehlt.
Erinnere dich an diese Geschichte, und es wird Hoffnung auf den Frühling geben.
Entnommen aus der gleichnamigen Broschüre des Maschinenstürmer Distros.